PatVerfü-Handbuch

Das PatVerfü-Handbuch enthält ausführliche Informationen rund um das Thema PatVerfü. Sie können das Handbuch online lesen, als EBook herunterladen oder die gedruckte Broschüre bestellen. Oder lesen Sie die Einführung ins Thema.

Das PatVerfü-Handbuch ent­hält aus­führ­li­che In­for­ma­tio­nen rund um das Thema Pat­Verfü. Die The­men rei­chen von den ge­setz­li­chen Grund­la­gen für psych­ia­tri­schen Zwang bis hin zu prak­ti­schen Tipps, um sich mit der Pat­Verfü vor Zwangs­maß­nahmen zu schützen.

Konsequenzen bedenken

Ei­ne Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung zu er­stel­len ist im­mer ei­ne höchst­per­sön­li­che Ent­schei­dung. Die mit ei­ner Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung rea­li­sier­te Selbst­be­stim­mung be­deu­tet, die Ver­ant­wor­tung und so­mit auch even­tu­ell ne­ga­ti­ve Kon­se­quen­zen, die ent­ste­hen könn­ten, voll und al­lei­ne zu tra­gen. Da­bei kann es auch um Fra­gen um Le­ben oder Tod ge­hen. Das be­trifft be­son­ders die Fra­ge, wenn je­mand mit sei­ner Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung fest­le­gen möch­te, ob im Fal­le ei­nes lang­an­hal­ten­den Ko­mas al­le me­di­zi­ni­schen Mit­tel, die der Le­bens­ver­län­ge­rung oder -er­hal­tung die­nen, ma­xi­mal ge­nutzt wer­den sol­len oder nicht. Auch in Be­zug auf psych­ia­tri­sche In­ter­ven­tio­nen soll­te sich jede/r über den ei­ge­nen Stand­punkt klar wer­den. Was die In­an­spruch­nah­me so­ge­nann­ter psych­ia­tri­scher „Hil­fen“ und „The­ra­pi­en“ an­geht, kann man/frau un­ter­schied­li­cher An­sicht sein. Die Ei­nen hal­ten sie für sinn­voll, so­gar wenn es sich um ei­ne Zwangs-‚Beglückung‘ han­delt. Die An­de­ren sind der Mei­nung, dass Ih­nen die Psych­ia­trie kei­ne we­sent­li­che Ver­bes­se­rung ih­rer Le­bens­um­stän­de bie­tet oder dass de­ren (ver­meint­li­che) „Hil­fen“ im Ge­gen­teil so­gar noch zu­sätz­lich scha­den und su­chen sich da­her nicht- psych­ia­tri­sche Un­ter­stüt­zung für die Be­wäl­ti­gung ih­rer Kri­sen und Pro­ble­me. Wer ei­ne Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung des Typs Pat­Ver­fü ver­fasst und nutzt, der/die schließt für sich sämt­li­che psych­ia­tri­sche Zwangs­maß­nah­men aus, ein­schließ­lich der un­er­wünsch­ten Eti­ket­tie­rung mit ei­ner psych­ia­tri­schen Dia­gno­se. Auch wenn Sie ei­ne Pat­Ver­fü be­sit­zen, ist es Ih­nen frei­lich be­las­sen, (wei­ter­hin) die Pra­xis von nie­der­ge­las­se­nen Psych­ia­te­rIn­nen auf­zu­su­chen oder auch sich frei­wil­lig auf ei­ne of­fe­ne psych­ia­tri­sche Sta­ti­on zu be­ge­ben, wenn Ih­nen da­nach ist. Sie brau­chen die Pat­Ver­fü in sol­chen Fäl­len nicht zu er­wäh­nen bzw. nicht vor­zu­zei­gen. Dies birgt je­doch Ri­si­ken: Da bei­des da­mit ver­bun­den ist, sich dort ei­ne „psy­chi­sche Krank­heit“ dia­gnos­ti­zie­ren zu las­sen, kann es un­ter Um­stän­den pas­sie­ren, dass solch ei­ne frei­wil­lig her­bei­ge­führ­te Si­tua­ti­on in psych­ia­tri­sche Ge­walt und Zwang um­schlägt. Um wirk­lich si­cher zu ge­hen, dass Sie nicht, ehe Sie sich ver­se­hen, „fi­xiert“ in der Ge­schlos­se­nen lie­gen oder dass das, was Sie so al­les im Ei­fer psych­ia­tri­schem Per­so­nal er­zählt hat­ten, wei­ter ge­reicht wird, um ein Gut­ach­ten zu er­stel­len, mit dem ver­sucht wird, Sie zu ent­mün­di­gen, re­den Sie am bes­ten nie mit psych­ia­tri­schem Fach­per­so­nal über sich, je­den­falls nicht im Rah­men de­ren Ar­beit. (Wei­te­res zu die­sem Spiel mit dem Feu­er sie­he Ab­schnitt „Zu den Ri­si­ken des frei­wil­li­gen oder ge­nö­tig­ten Auf­su­chens von psych­ia­tri­schen oder psy­cho­lo­gi­schen Ein­rich­tun­gen“.)

Ei­ne Pat­Ver­fü kann auch, ge­nau­so wie je­de an­de­re Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung „je­der­zeit form­los wi­der­ru­fen wer­den“ , so steht es im Ge­setz zur Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung § 1901a  BGB, Ab­satz 1. Be­vor Sie ei­ne Pat­Ver­fü ver­fas­sen, ist es den­noch wich­tig, dass Sie sich klar wer­den dar­über, ob Sie psych­ia­tri­schen Zwang für sich grund­sätz­lich, in je­der mög­li­chen Si­tua­ti­on und in je­der Form ab­leh­nen – und um das zu rea­li­sie­ren, ist un­se­res Wis­sens nach die Pat­Ver­fü zur­zeit das ein­zig ef­fek­ti­ve Rechts­in­stru­ment – oder ob es für Sie Si­tua­tio­nen gibt, für die Sie wün­schen, dass die Psych­ia­trie Ih­nen ge­gen­über Zwang an­wen­den soll­te. Wenn Sie zum Bei­spiel der An­sicht sind, Zwangs­psych­ia­trie soll ver­su­chen, Sie vor Selbst­tö­tung zu ret­ten, dann ist die Pat­Ver­fü nicht das Rich­ti­ge für Sie. Wir als Nut­ze­rIn­nen der Pat­Ver­fü be­stehen hin­ge­gen dar­auf, dass auch bei der Ent­schei­dung zum Frei­tod un­ser Recht auf Selbst­be­stim­mung ge­wahrt bleibt und hof­fen, in ver­zwei­fel­ten Le­bens­si­tua­tio­nen ein­fühl­sa­me Hil­fe an­ge­bo­ten zu be­kom­men, die wir frei­wil­lig an­neh­men (kön­nen). Un­se­rer Er­fah­rung nach ist so­gar ge­ra­de das Er­lei­den von psych­ia­tri­schem Zwang und sei­nen wei­te­ren Fol­gen (Er­fah­rung von bru­ta­ler Ge­walt bzw. Fol­ter; Lang­zeit­schä­den durch die un­ge­wollt ein­ge­nom­me­nen ‚Psy­cho­phar­ma­ka‘; so­zia­le Fol­gen dar­aus, als „psy­chisch Kranke/r“ ver­leum­det wor­den zu sein) ein häu­fi­ger Grund für Men­schen, sich das Le­ben zu neh­men oder dass Men­schen, wenn sie nach ei­nem Selbst­tö­tungs­ver­such in die Psych­ia­trie ge­ra­ten, es erst recht tun, an­statt dass sie neu­en Le­bens­mut schöp­fen. Noch eins soll­ten Sie in die­sem Zu­sam­men­hang be­den­ken: „Ein biss­chen Zwang“ geht nicht: Ent­we­der Sie schlie­ßen psych­ia­tri­schen Zwang be­reits mit Ver­wei­ge­rung von „Untersuchung/Diagnosen“ aus oder Sie las­sen ihn zu und dann kön­nen Sie sich in al­ler Re­gel nicht mehr aus­su­chen, wann und was mit ih­nen ge­macht wird, denn dann ist psych­ia­tri­scher Will­kür Tür und Tor ge­öff­net.

Soll­ten Sie sich al­so zu ei­ner Pat­Ver­fü ent­schlie­ßen, dann darf, um vol­le Frei­heit vor psych­ia­tri­schem Zwang zu ge­währ­leis­ten, kei­nes der ent­spre­chen­den Ele­men­te aus dem Mus­ter-For­mu­lar feh­len. Wer le­dig­lich in punc­to Zwangs­psych­ia­trie Vor­sor­ge tref­fen möch­te, kann Teil C) strei­chen. Der Rest muss so blei­ben, wie er ist bzw. soll le­dig­lich aus­ge­füllt wer­den und kann ggf. er­gänzt wer­den (sie­he un­ten).