PatVerfü-Handbuch

Das PatVerfü-Handbuch enthält ausführliche Informationen rund um das Thema PatVerfü. Sie können das Handbuch online lesen, als EBook herunterladen oder die gedruckte Broschüre bestellen. Oder lesen Sie die Einführung ins Thema.

Das PatVerfü-Handbuch ent­hält aus­führ­li­che In­for­ma­tio­nen rund um das Thema Pat­Verfü. Die The­men rei­chen von den ge­setz­li­chen Grund­la­gen für psych­ia­tri­schen Zwang bis hin zu prak­ti­schen Tipps, um sich mit der Pat­Verfü vor Zwangs­maß­nahmen zu schützen.

Die PatVerfü im Detail

Stich­wort Ein­wil­li­gungs­un­fä­hig­keit: „In Kennt­nis der recht­li­chen Fol­gen und im Be­wusst­sein der Trag­wei­te mei­ner Ent­schei­dung ha­be ich mich da­zu ent­schlos­sen, mei­ne per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se ei­gen­stän­dig für den Fall zu re­geln, dass ich mei­ne An­ge­le­gen­heit auf­grund ei­ner Er­kran­kung oder Ein­schrän­kung mei­ner  kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder see­li­schen Fä­hig­kei­ten ganz oder teil­wei­se nicht mehr selbst be­sor­gen kann und/oder mein Selbst­be­stim­mungs­recht in per­sön­li­chen und ge­sund­heit­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten von mir selbst nicht mehr rechts­wirk­sam aus­ge­übt wer­den kann.“

Mit die­sem ein­lei­ten­den Satz der Pat­Ver­fü er­klärt die Ver­fas­se­rIn, dass mit der ei­ge­nen Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung be­ab­sich­tigt wur­de, vor­sorg­lich ei­ne in­for­mier­te Ent­schei­dung dar­über zu tref­fen, was mit ihr ge­sche­hen soll, wenn sie nicht mehr in der La­ge sein soll­te, ih­ren Wil­len zu äu­ßern. Wenn ein Mensch im Ko­ma liegt, ist der Fall ziem­lich ein­deu­tig: Er wird höchst­wahr­schein­lich we­der spre­chen noch auf an­de­re Wei­se zu ver­ste­hen ge­ben kön­nen, wel­che ärzt­li­che Be­hand­lung er wünscht oder ab­lehnt und wie sei­ne sons­ti­gen per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se ge­re­gelt wer­den sol­len, so lan­ge er sel­ber nicht da­zu in der La­ge ist. Wer nicht an psych­ia­tri­sche Ide­en glaubt, wird sich (zu Recht) wun­dern oder es wi­der­sprüch­lich fin­den, was die obi­ge For­mu­lie­rung in ei­ner Pat­Ver­fü zu su­chen hat, auch wenn sie aus­schließ­lich nur den psych­ia­tri­schen Be­reich re­geln soll. Die Er­klä­rung ist: Wenn Psych­ia­te­rIn­nen Zwang an­wen­den wol­len, un­ter­stel­len sie den Be­trof­fe­nen, auf­grund ei­ner an­geb­li­chen „psy­chi­schen Krank­heit“ zu an­geb­lich rich­ti­gen Ein­sich­ten un­fä­hig und so­mit ein­wil­li­gungs­un­fä­hig zu sein. So lan­ge sich die Ver­hält­nis­se nicht grund­le­gend ge­än­dert ha­ben, ist die Pra­xis so, dass die­se Men­schen ih­ren Wil­len zwar sehr wohl äu­ßern kön­nen, er je­doch le­dig­lich als ein „na­tür­li­cher Wil­le“[64] ab­ge­tan wird und so­mit recht­lich be­lang­los ist. In­so­fern kann, wie es in der Pat­Ver­fü heißt, das „Selbst­be­stim­mungs­recht in per­sön­li­chen und ge­sund­heit­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten“ vom Be­trof­fe­nen „nicht mehr rechts­wirk­sam aus­ge­übt wer­den“. Da­her soll­te der ei­ge­ne Wil­le im Vorn­hin­ein als „frei­er Wil­le“ schrift­lich in ei­ner Pat­Ver­fü kund­ge­tan wer­den. Mit an­de­ren Wor­ten: Ei­ne Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung muss im Zu­stand der „me­di­zi­nisch“ an­er­kann­ten „Ein­wil­li­gungs­fä­hig­keit“ ver­fasst wor­den sein, um recht­lich Be­stand zu ha­ben, al­so wirk­sam sein kön­nen für den zu­künf­ti­gen Fall, dass an­de­re den/die Ver­fas­se­rIn als „ein­wil­li­gungs­un­fä­hig“ ein­stu­fen könn­ten. Da­her ist es rat­sam, sich zum Zeit­punkt des Auf­set­zens der Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung ein ärzt­li­ches At­test er­stel­len zu las­sen, wel­ches die Ge­schäfts­fä­hig­keit des/der Ver­fas­se­rIn be­stä­tigt. Und so ist am En­de der Pat­Ver­fü ver­merkt:

Zu­sätz­lich fü­ge ich die­ser Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung die Ko­pie ei­nes ärzt­li­chen At­tests über Ge­schäfts­fä­hig­keit hin­zu, so dass mein in die­ser Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung zum Aus­druck ge­brach­ter frei­er Wil­le und die Wirk­sam­keit die­ser Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung un­be­streit­bar sind. Das Ori­gi­nal des At­tests be­fin­det sich in mei­nen Un­ter­la­gen.“

Funk­ti­on der Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten (I):  „Mit die­ser Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung möch­te ich bin­dend fest­le­gen, wel­che me­di­zi­ni­schen Dia­gno­se­er­stel­lun­gen und Be­hand­lun­gen ich strikt aus­schlie­ßen und wel­che ich bil­li­gen möch­te und de­nen so­mit ein Be­voll­mäch­tig­ter oder sons­ti­ger recht­li­cher Stell­ver­tre­ter von mir zu­stim­men kann und wel­che er ver­wei­gern muss.“ Die­ser zwei­te ein­lei­ten­de Satz der Pat­Ver­fü ent­spricht ge­nau dem § 1901a BGB, Ab­satz 1: „Hat ein ein­wil­li­gungs­fä­hi­ger Voll­jäh­ri­ger für den Fall sei­ner Ein­wil­li­gungs­un­fä­hig­keit schrift­lich fest­ge­legt, ob er in be­stimm­te, zum Zeit­punkt der Fest­le­gung noch nicht un­mit­tel­bar be­vor­ste­hen­de Un­ter­su­chun­gen sei­nes Ge­sund­heits­zu­stan­des, Heil­be­hand­lun­gen oder ärzt­li­che Ein­grif­fe ein­wil­ligt oder sie un­ter­sagt (Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung), prüft der Be­treu­er, ob die­se Fest­le­gun­gen auf die ak­tu­el­le Le­bens- und Be­hand­lungs­si­tua­ti­on zu­tref­fen. Ist dies der Fall, hat der Be­treu­er dem Wil­len des Be­treu­ten Aus­druck und Gel­tung zu ver­schaf­fen.“

Ist der/die Be­trof­fe­ne in der Si­tua­ti­on, in der er/sie (ver­meint­lich) ein­wil­li­gungs­un­fä­hig ist, so ver­langt das Ge­setz, dass ei­ne (ein­wil­li­gungs­fä­hi­ge) Per­son da ist, die als recht­li­che Stell­ver­tre­te­rIn fun­giert. Die­se hat im ers­ten Schritt zu prü­fen, ob das, was in der Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung be­stimmt wur­de, auf die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on zu­trifft. Bei­spiel: Wenn eine/r we­gen ei­ner be­stimm­ten Krank­heit un­fä­hig ist, sich zu äu­ßern und zwar ei­ne Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung hat, je­doch über die­se Art von Krank­heit oder über ein be­stimm­tes Sta­di­um der be­stimm­ten Krank­heit nichts ver­fügt hat, dann kann über die Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung nicht fest­ge­stellt wer­den, was der Be­tref­fen­de in der Si­tua­ti­on wol­len wür­de. Eben­so lässt sich sein Wil­le nicht fest­stel­len, wenn er zwar über die ent­spre­chen­de Krank­heit, aber aus­ge­rech­net nichts über die­je­ni­ge spe­zi­el­le Be­hand­lungs­me­tho­de, die ak­tu­ell ärzt­li­cher­seits an­ge­ra­ten ist, ver­fügt, d.h. die­ser Be­hand­lung we­der vor­sorg­lich zu­ge­stimmt noch sie un­ter­sagt hat­te. Im zwei­ten Schritt muss die recht­li­che Stell­ver­tre­te­rIn dem so ge­prüf­ten, in der Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung fest­ge­leg­ten Wil­len Aus­druck und Gel­tung ver­schaf­fen, d.h. vor al­lem ge­gen­über den un­ter­su­chen­den und be­han­deln­den Ärz­tIn­nen durch­set­zen, al­so den von ih­nen vor­ge­schla­ge­nen Un­ter­su­chun­gen und Be­hand­lun­gen ver­tre­tungs­wei­se ent­spre­chend dem schrift­lich Ver­füg­ten zu­stim­men oder sie un­ter­sa­gen. In die­sem Ab­satz 1 des § 1901a BGB ist vom „Be­treu­er“ als recht­li­che Stell­ver­tre­te­rIn die Re­de. Ist je­mand zum Zeit­punkt der Si­tua­ti­on der Ein­wil­li­gungs­un­fä­hig­keit nicht be­reits durch „Be­treu­ung“ ent­mün­digt, so kann das Ge­richt zum Zwe­cke der Durch­set­zung des § 1901a BGB, Ab­satz 1 ei­ne „Be­treue­rIn“ als recht­li­che Stell­ver­tre­te­rIn be­stel­len. Das ist je­doch we­der nö­tig noch mög­lich, wenn der/die Be­trof­fe­ne ei­ne (oder meh­re­re) Person(en) vor­sorg­lich be­voll­mäch­tigt hat­te. Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­te ha­ben in die­ser Si­tua­ti­on die­sel­be Funk­ti­on wie Be­treue­rIn­nen. Dies ist in § 1901a BGB, Ab­satz 5 ge­re­gelt: „Die Ab­sät­ze 1 bis 3 gel­ten für Be­voll­mäch­tig­te ent­spre­chend.“ Da­her ist es äu­ßerst wich­tig, dass ei­ne Pat­Ver­fü durch die ein­ge­bau­te Vor­sor­ge­voll­macht ab­ge­si­chert ist, d.h. die Ver­fas­se­rIn Per­so­nen be­voll­mäch­tigt, die den in der Pat­Ver­fü nie­der­ge­leg­ten Wil­len durch­set­zen und gleich­sam auf­grund ih­rer ge­ge­be­nen Funk­ti­on als Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­te ver­hin­dern, dass ein/e Be­treue­rIn be­stellt wird. Dass ei­ne Vor­sor­ge­voll­macht ei­ne recht­li­che „Be­treu­ung“ funk­tio­nell er­setzt und da­her nicht ent­mün­digt wer­den kann, wenn je­mand be­reits Per­so­nen be­voll­mäch­tigt hat, ist in § 1896 BGB (Vor­aus­set­zun­gen ei­ner recht­li­chen Be­treu­ung), Ab­satz 2 ge­re­gelt: „Ein Be­treu­er darf nur für Auf­ga­ben­krei­se be­stellt wer­den, in de­nen die Be­treu­ung er­for­der­lich ist. Die Be­treu­ung ist nicht er­for­der­lich, so­weit die An­ge­le­gen­hei­ten des Voll­jäh­ri­gen durch ei­nen Be­voll­mäch­tig­ten, der nicht zu den in § 1897 Abs. 3 be­zeich­ne­ten Per­so­nen ge­hört, oder durch an­de­re Hil­fen, bei de­nen kein ge­setz­li­cher Ver­tre­ter be­stellt wird, eben­so gut wie durch ei­nen Be­treu­er be­sorgt wer­den kön­nen.“ Dies wird in der Pat­Ver­fü auch ex­pli­zit be­nannt: „Durch die Be­nen­nung von Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten am En­de die­ser Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung, de­ren Be­voll­mäch­ti­gung aber nur un­ter der Be­din­gung wirk­sam ist, wenn die­se sich strikt an die­se Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung hal­ten, möch­te ich ei­ne even­tu­el­le An­ord­nung ei­ner Be­treu­ung ge­gen mei­nen Wil­len durch ein Be­treu­ungs­ge­richt funk­tio­nell er­set­zen, um die Wahr­neh­mung mei­ner In­ter­es­sen und Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se mei­ne Per­son be­tref­fend für ei­nen sol­chen Fall auf Per­so­nen mei­nes be­son­de­ren Ver­trau­ens zu über­tra­gen und ei­ne Un­ter­brin­gung in ei­ner ge­schlos­se­nen psych­ia­tri­schen Ein­rich­tung strikt und ver­bind­lich und un­ter al­len Um­stän­den zu un­ter­bin­den.“ Wei­te­res zur Vor­sor­ge­voll­macht in Ver­bin­dung mit der Pat­Ver­fü sie­he un­ten: „Zu Teil D) der Pat­Ver­fü, Vor­sor­ge­voll­macht (II)“.

Dar­le­gung der per­sön­li­chen Über­zeu­gun­gen: Zu­nächst wei­ter im Text der Pat­Ver­fü: „Da ich …“ – hier fol­gen die für schrift­li­che Wil­lens­be­kun­dun­gen er­for­der­li­chen per­sön­li­chen Da­ten der Ver­fas­se­rIn – „die Exis­tenz ir­gend­ei­ner psy­chi­schen Krank­heit ab­strei­te, statt­des­sen den psych­ia­tri­schen Sprach­ge­brauch und psych­ia­tri­sche Dia­gno­sen für ei­ne schwe­re Per­sön­lich­keits­ver­let­zung und Ver­leum­dung, so­wie die Ge­fan­gen­nah­me in ei­ner Psych­ia­trie für ei­ne schwe­re Frei­heits­be­rau­bung und je­de psych­ia­tri­sche Zwangs­be­hand­lung für Fol­ter und schwers­te Kör­per­ver­let­zung er­ach­te, möch­te ich ge­mäß dem § 1901 a BGB hier­mit ei­ne Vor­aus­ver­fü­gung er­rich­ten, um mich vor ei­ner sol­chen Dia­gnos­ti­zie­rung bzw. Ver­leum­dung und de­ren Fol­gen zu schüt­zen, in­dem ich ver­bie­te, fol­gen­de me­di­zi­ni­schen Maß­nah­men an mir durch­zu­füh­ren:“

Sich so­gar in ei­ner schrift­li­chen Er­klä­rung ge­gen das an­geb­li­che Vor­han­den­sein „psy­chi­scher Krank­hei­ten“ aus­zu­spre­chen, könn­te ei­ni­gen Men­schen noch schwe­rer fal­len als sich ge­gen Zwangs­be­hand­lung aus­zu­spre­chen. Es ist ei­ne Ideo­lo­gie- und Glau­bens­fra­ge, was „Geist“ und was „See­le“ ist und wie sie über­haupt „krank“ wer­den könn­ten. Die von der Psych­ia­trie pro­pa­gier­te „Leh­re“ von den an­geb­li­chen „psy­chi­schen Krank­hei­ten“ ist die Grund­la­ge für die Macht­aus­übung der Psych­ia­trie, denn – und die­ser wich­ti­ge Punkt wird noch wei­ter­hin aus­drück­lich wie­der­holt – die „Dia­gno­se­stel­lung“ ist die ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­ne Vor­aus­set­zung, dass Psych­ia­te­rIn­nen Zwang und Ge­walt aus­üben kön­nen.

Es ist an­zu­ra­ten, die oben ge­nann­ten For­mu­lie­run­gen der Pat­Ver­fü zu ver­wen­den. Die Ver­fas­se­rIn un­ter­streicht da­mit ih­ren Wil­len, stellt klar, dass es ihr Un­glau­ben ge­gen­über den Be­haup­tun­gen der Psych­ia­trie ist, der sie „Dia­gnos­ti­zie­rung“ wie auch „Be­hand­lun­gen“ durch Psych­ia­te­rIn­nen ab­leh­nen lässt. Wer nicht an die Exis­tenz von Geis­tes­krank­hei­ten glaubt, hält sich und an­de­re je­der­zeit für Han­deln­de, die für ih­re Hand­lun­gen und de­ren Kon­se­quen­zen ver­ant­wort­lich sind und – auch wenn das ei­ge­ne Ver­hal­ten an­de­ren als ab­son­der­lich, selbst­zer­stö­re­risch, ab­sto­ßend oder be­ängs­ti­gend vor­kom­men mag – nicht durch ei­ne omi­nö­se Krank­heit ‚fremd­be­stimmt‘ wer­den und so­mit auch nicht ge­son­dert be­han­delt wer­den will.[65] Sie brau­chen üb­ri­gens nicht wirk­lich da­von über­zeugt zu sein, dass es kei­ne „psy­chi­schen Krank­hei­ten“ gibt. Be­hal­ten Sie in die­sem Fall Ih­re Skep­sis und be­nut­zen Sie trotz­dem die For­mu­lie­rung, denn sie wird Ih­nen im Not­fall gu­te Diens­te leis­ten. Was Sie tat­säch­lich glau­ben, geht nie­man­den et­was an und kann auch von nie­man­dem über­prüft wer­den.

Dass das Un­ter­las­sen von me­di­zi­ni­schen Maß­nah­men durch den ei­ge­nen Glau­ben be­grün­det wer­den kann, geht aus dem Wort­laut des Pa­ti­en­ten­ver­fü­gungs­ge­set­zes her­vor. „Ethi­sche oder re­li­giö­se Über­zeu­gun­gen und sons­ti­ge per­sön­li­che Wert­vor­stel­lun­gen“ stel­len ei­ne we­sent­li­che In­for­ma­ti­on zur Er­mitt­lung des „mut­maß­li­chen Wil­lens“ in all je­nen Fäl­len dar, wo nicht ein­deu­tig be­stimmt wer­den kann, ob die Fest­le­gun­gen der Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung mit der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on über­ein­stim­men. Das wird in § 1901a BGB, Ab­satz 2 ge­re­gelt: „Liegt kei­ne Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung vor oder tref­fen die Fest­le­gun­gen ei­ner Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung nicht auf die ak­tu­el­le Le­bens- und Be­hand­lungs­si­tua­ti­on zu, hat der Be­treu­er die Be­hand­lungs­wün­sche oder den mut­maß­li­chen Wil­len des Be­treu­ten fest­zu­stel­len und auf die­ser Grund­la­ge zu ent­schei­den, ob er in ei­ne ärzt­li­che Maß­nah­me nach Ab­satz 1 ein­wil­ligt oder sie un­ter­sagt. Der mut­maß­li­che Wil­le ist auf­grund kon­kre­ter An­halts­punk­te zu er­mit­teln. Zu be­rück­sich­ti­gen sind ins­be­son­de­re frü­he­re münd­li­che oder schrift­li­che Äu­ße­run­gen, ethi­sche oder re­li­giö­se Über­zeu­gun­gen und sons­ti­ge per­sön­li­che Wert­vor­stel­lun­gen des Be­treu­ten.“

Zu Teil A) der Pat­Ver­fü, Un­ter­sa­gung psych­ia­tri­scher Un­ter­su­chun­gen: Das Pa­ti­en­ten­ver­fü­gungs­ge­setz er­laubt dem/der Ver­fü­gen­den, nicht nur im Vor­aus über „Heil­be­hand­lun­gen oder ärzt­li­che Ein­grif­fe“ zu be­stim­men, son­dern auch zu­künf­ti­ge „Un­ter­su­chun­gen sei­nes Ge­sund­heits­zu­stands“ im Vor­aus ein­zu­wil­li­gen oder sie zu un­ter­sa­gen (sie­he § 1901a BGB, Ab­satz 1). Teil A) der Pat­Ver­fü ist so for­mu­liert, dass da­mit sämt­li­che Un­ter­su­chun­gen, die auf ei­ne Er­stel­lung ei­ner psych­ia­tri­schen Dia­gno­se hin­aus­lau­fen (könn­ten), un­ter­sagt sind. Psych­ia­tri­sche Fach­ärz­tIn­nen dür­fen Be­sit­ze­rIn­nen ei­ner Pat­Ver­fü (wenn sie ih­nen zur Kennt­nis ge­langt) kei­nes­falls un­ter­su­chen, da sie ja da­mit ei­ne psych­ia­tri­sche Dia­gno­se an­stre­ben. An­de­re prak­ti­zie­ren­de Me­di­zi­ne­rIn­nen dür­fen wei­ter­hin auf nicht-psych­ia­tri­sche Krank­hei­ten un­ter­su­chen, so­fern die Ver­fas­se­rIn­nen mit ih­rer Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung nicht auch sol­che aus­ge­schlos­sen ha­ben. „Hin­sicht­lich ir­gend­ei­nes Ver­dachts ei­ner an­geb­li­chen ‚psy­chi­schen Krank­heit‘ zu un­ter­su­chen“, wie es in der Pat­Ver­fü heißt, ist ih­nen je­doch un­ter­sagt. Wie auch aus dem Ka­pi­tel zu den recht­li­chen Grund­la­gen der Zwangs­psych­ia­trie er­sicht­lich, braucht es für al­le Ar­ten psych­ia­tri­scher Zwangs­maß­nah­men ein psych­ia­tri­sches Gut­ach­ten, um die­ses bei Ge­richt ein­zu­rei­chen und da­mit die Zwangs­maß­nah­me zu le­gi­ti­mie­ren und da­für muss erst ein­mal ei­ne psych­ia­tri­sche Dia­gno­se er­stellt wor­den sein. So ist Teil A) der Pat­Ver­fü, mit dem die Er­stel­lung jed­we­der Art psych­ia­tri­scher Dia­gno­se ver­hin­dert wird, für die Ver­mei­dung psych­ia­tri­scher Zwangs­maß­nah­men un­ent­behr­li­cher als Teil B). Dort wird die Zwangs­be­hand­lung zwar im Ein­zel­nen auf­ge­lis­tet und un­ter­sagt, im Prin­zip kann Zwangs­be­hand­lung aber so­wie­so nicht mehr statt­fin­den, da mit Teil A) be­reits der recht­li­che Vor­gang am ent­schei­den­den An­fangs­punkt („Dia­gno­se­stel­lung“) ge­stoppt wur­de.

Wie oben be­reits an­ge­spro­chen, wird zum ent­schei­den­den Zeit­punkt, wenn ei­ne Per­son (ver­meint­lich) nicht ein­wil­li­gungs­fä­hig ist, ge­prüft, ob das, was in ih­rer Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung be­stimmt wur­de, auf die dann ak­tu­el­le Si­tua­ti­on zu­trifft. Mit den in der Pat­Ver­fü vor­ge­schla­ge­nen psych­ia­trie­be­tref­fen­den For­mu­lie­run­gen gibt es kei­nen Er­mes­sen­spiel­raum, ob die Si­tua­ti­on ak­tu­ell tat­säch­lich zu­trifft und so kön­nen kei­ne Schlupf­lö­cher für will­kür­li­che In­ter­pre­ta­tio­nen durch Ärz­tIn­nen und/oder Rich­te­rIn­nen ent­ste­hen. Da­her ist Teil A) auch un­be­zwei­fel­bar ge­nau bei der Spe­zi­fi­zie­rung der „Dia­gno­sen“, die nicht mehr ent­ste­hen dür­fen: Das in Deutsch­land ge­bräuch­lichs­te Klas­si­fi­ka­ti­ons­sys­tem für Krank­hei­ten ist das von der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on her­aus­ge­ge­be­ne ICD (“In­ter­na­tio­nal Sta­tis­ti­cal Clas­si­fi­ca­ti­on of di­sea­ses”). Ka­pi­tel V in der ak­tu­el­len Ver­si­on ICD-10, wel­ches den Ti­tel “Psy­chi­sche und Ver­hal­tens­stö­run­gen” trägt, um­fasst co­diert un­ter F00-F99 sämt­li­che psych­ia­tri­sche “Dia­gno­sen”, die von den Ärz­tIn­nen die­ser Welt ver­wen­det wer­den. Um al­so „je­de mög­li­che Un­klar­heit zu be­sei­ti­gen“ wer­den die Dia­gno­se­grup­pen F00-F99 und ih­re Be­zeich­nun­gen in der Pat­Ver­fü ein­zeln auf­ge­lis­tet (mit der Schluss­be­mer­kung: „je­weils mit al­len wei­te­ren Un­ter­spe­zi­fi­zie­run­gen und al­le spä­ter vor­ge­nom­me­nen Mo­di­fi­zie­run­gen die­ses Ka­pi­tels des ICD.“)

Zu Teil B) der Pat­Ver­fü, Un­ter­sa­gung von Zwangs­be­hand­lung bzw. psych­ia­tri­scher Be­hand­lung:

Hier wird die mit § 1901a BGB, Ab­satz 1 ge­ge­be­ne Mög­lich­keit ver­wirk­licht, mit ei­ner Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung Be­hand­lung im Vor­aus und ex­pli­zit zu un­ter­sa­gen. Auch in die­sem Teil der Pat­Ver­fü wur­de dar­auf ge­ach­tet, sämt­li­che Un­klar­hei­ten aus­zu­schlie­ßen. Zum ei­nen wer­den al­le Or­te und je­des Per­so­nal, wel­che in ent­schei­den­dem Zu­sam­men­hang mit un­er­wünsch­ter psych­ia­tri­scher Be­hand­lung ste­hen, auf­ge­zählt und die von ih­nen aus­ge­hen­de und dort statt­fin­den­de Be­hand­lung un­ter­sagt. Zum an­de­ren wer­den die „Be­hand­lungs­me­tho­den“ und frei­heits­be­schrän­ken­den Maß­nah­men ein­zeln an­ge­führt, die un­ter­sagt wer­den sol­len: „ein­sper­ren in ei­ner psych­ia­tri­schen Sta­ti­on“, „je­de Fi­xie­rung“, „je­de Zwangs­be­hand­lung egal mit wel­chen als Me­di­ka­ment be­zeich­ne­ten Stof­fen oder Pla­ce­bos“. Wem das zu un­voll­stän­dig sein soll­te, kann in sei­ner Pat­Ver­fü be­lie­big vie­le wei­te­re so­ge­nann­te Behandlungsmethoden/Therapien hin­zu­fü­gen, wie zum Bei­spiel „Elek­tro­kon­vul­si­ons­the­ra­pie (EKT)“ ge­nann­ter Elek­tro­schock. Für die­sen Zweck gibt es im Mus­ter­vor­druck der Pat­Ver­fü die Zei­le hin­ter dem un­ters­ten Spie­gel­strich:

- Be­hand­lun­gen

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Sie kann mit ei­nem ge­wöhn­li­chen Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gramm um wei­te­re Zei­len ver­län­gert oder auch kom­plett ge­löscht wer­den (vgl. Ab­schnitt „Her­stel­lung, Ver­viel­fäl­ti­gung, Ver­wah­rung und ein­satz­be­reit Hal­tung Ih­res Pat­Ver­fü-Do­ku­ments“). Im Grun­de ge­nom­men wer­den näm­lich sämt­li­che Zwangs­be­hand­lun­gen, auch nicht-psych­ia­tri­sche, aus­ge­schlos­sen, in­dem des Wei­te­ren in Teil B) all­ge­mein un­ter­sagt wird: „je­de Ein­schrän­kung mei­ner Frei­heit“, „je­de Be­hand­lung ge­gen mei­nen ge­äu­ßer­ten Wil­len“.

Zu Teil C) der Pat­Ver­fü, Vor­aus­ver­fü­gung über sons­ti­ge Be­hand­lun­gen: An die­ser Stel­le kön­nen Sie al­les Sons­ti­ge ein­tra­gen, das mit psych­ia­tri­schen An­ge­le­gen­hei­ten nichts zu tun hat und über das Sie im Rah­men des Pa­ti­en­ten­ver­fü­gungs­ge­set­zes ver­fü­gen möch­ten. Die hier im Mus­ter­vor­druck der Pat­Ver­fü vor­ge­ge­be­nen For­mu­lie­run­gen sind le­dig­lich Bei­spie­le und Platz­hal­ter. Sie kön­nen ver­än­dert, ge­löscht und/oder er­gänzt wer­den. Oder wenn Sie aus­schließ­lich über psych­ia­tri­sche Be­hand­lung und Un­ter­su­chung vor­aus­ver­fü­gen möch­ten, dann kön­nen Sie Teil C) auch kom­plett weg­las­sen, mit der Fol­ge, dass Ih­nen dann ein Wunsch nach ma­xi­ma­ler me­di­zi­ni­scher (je­doch oh­ne psych­ia­tri­sche) Be­hand­lung un­ter­stellt wird. Ach­ten Sie in die­sem Fall dar­auf, in der Vor­sor­ge­voll­macht, al­so im Teil D) der Pat­Ver­fü, die For­mu­lie­run­gen ent­spre­chend an den zwei Stel­len, wo es heißt: „…A) bis C)…“ zu än­dern in „…A) bis B)…“ oder „…A) und B)…“.

Das be­son­de­re In­ter­es­se der Her­aus­ge­be­rIn­nen der Pat­Ver­fü ist, dass ei­ne Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung kon­zi­piert wur­de, die al­le recht­li­chen Mög­lich­kei­ten nutzt, um sich vor Zwangs­psych­ia­trie ab­zu­si­chern. Im Un­ter­schied zu dem Teil der Pat­Ver­fü, der die­sen Zweck er­fül­len soll, brau­chen, wol­len und kön­nen die Her­aus­ge­be­rIn­nen für Teil C) kei­ne ‚Vor­ga­ben‘ ma­chen. Wir emp­feh­len le­dig­lich, sich dies­be­züg­lich über ent­spre­chen­de Li­te­ra­tur und von kom­pe­ten­ten Be­ra­te­rIn­nen in­for­mie­ren zu las­sen. Als ei­ne sol­che Quel­le er­scheint z.B. das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Jus­tiz mit sei­nen In­ter­net­sei­ten zu Pa­ti­en­ten­ver­fü­gun­gen.

Dort fin­den Sie ei­ne Bro­schü­re mit Emp­feh­lun­gen so­wie in Pa­ti­en­ten­ver­fü­gun­gen ver­wend­ba­re Text­bau­stei­ne zum kos­ten­lo­sen Down­load. Für die Vor­sor­ge be­züg­lich be­stimm­ter Si­tua­tio­nen, die für Teil C) ei­ne Rol­le spie­len, ist es dar­über hin­aus rat­sam, sich bei Me­di­zi­ne­rIn­nen mög­lichst bis ins De­tail zu in­for­mie­ren, wel­che Si­tua­tio­nen auf­tre­ten könn­ten und wel­che Be­hand­lun­gen ärzt­li­cher­seits in die­sen Fäl­len ein­ge­lei­tet wer­den.

Eins soll­te in die­sem Zu­sam­men­hang noch be­dacht wer­den: Die in Teil A) der Pat­Ver­fü un­ter­sag­ten Dia­gno­sen, die un­ter F00-F09 „Or­ga­ni­sche, ein­schließ­lich sym­pto­ma­ti­scher psy­chi­scher Stö­run­gen“ ge­fasst wer­den, schlie­ßen nach ICD auch das ein, was Ärz­tIn­nen als „psy­chi­sche Stö­run­gen“ dia­gnos­ti­zie­ren, die nach Hirn­ver­let­zun­gen, bei­spiels­wei­se durch ei­nen Un­fall oder ei­nen schwe­ren Schlag­an­fall, ent­stan­den sind. Wenn al­so F00-F09 un­ter­sagt sind, dann kön­nen z.B. die durch die Schä­di­gung be­ding­ten Aus­fäl­le oder Ver­än­de­run­gen der Wahr­neh­mung nicht psych­ia­trisch dia­gnos­ti­ziert wer­den. Wenn in sol­chen Fäl­len die Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten den in der Pat­Ver­fü nie­der­ge­leg­ten Wil­len an die Ärz­tIn­nen wei­ter­ge­ben, dann be­deu­tet das nicht, dass die Be­trof­fe­nen kei­ne Hil­fe be­kom­men kön­nen, denn die Pat­Ver­fü schließt ja nicht aus, dass z.B. neu­ro­lo­gi­sche Un­ter­su­chun­gen mit ent­spre­chen­den Dia­gno­sen statt­fin­den und ent­spre­chen­de The­ra­pi­en ein­ge­lei­tet wer­den kön­nen.

Zu Teil D) der Pat­Ver­fü, Vor­sor­ge­voll­macht (II). Für das Ver­ständ­nis über Vor­sor­ge­voll­mach­ten fol­gen ei­ni­ge Pas­sa­gen aus ei­nem Vor­trag von Rechts­an­walt Tho­mas Sa­schen­bre­cker mit dem Ti­tel Das Mo­dell der Pri­vat­au­to­no­mie der Vor­sor­ge­voll­macht als Al­ter­na­ti­ve zum gel­ten­den Be­treu­ungs­recht und aus der Ab­hand­lung Wie die Vor­sor­ge­voll­macht das Selbst­be­stim­mungs­recht um­fas­send si­chern kann, die eben­falls von Sa­schen­bre­cker, in Zu­sam­men­ar­beit mit Re­né Tal­bot, ver­fasst wur­de.

Ei­ne Vor­sor­ge­voll­macht bie­tet „die recht­li­che Mög­lich­keit der pri­vat­au­to­no­men Ge­stal­tung von Für­sor­ge“.[66]  „Seit dem 1.1.1999 hat der Ge­setz­ge­ber […] kon­se­quent und um­fas­send die Mög­lich­keit er­öff­net, durch Er­rich­ten ei­ner Vor­sor­ge­voll­macht Be­treu­ung ins­ge­samt funk­tio­nell zu er­set­zen. Der Ge­setz­ge­ber lässt erst­mals voll­um­fäng­lich ein zwei­spu­ri­ges Sys­tem bei der Or­ga­ni­sa­ti­on von Für­sor­ge zu und stellt in § 1896 Abs. 2 BGB dem staat­li­chen In­sti­tut der Be­treu­ung das pri­vat­au­to­no­me Rechts­in­sti­tut der Vor­sor­ge­voll­macht ge­gen­über. Mög­li­chem Für­sor­ge­be­darf kann durch Be­voll­mäch­ti­gung ei­ner Ver­trau­ens­per­son Rech­nung ge­tra­gen wer­den, ei­ne Be­treu­er­be­stel­lung wird dann grund­sätz­lich über­flüs­sig. An­ders als die Be­treu­ungs­ver­fü­gung, die zur Vor­ga­be im Hin­blick auf die Aus­wahl der Be­treu­er­per­son dient und die Be­hand­lungs­ver­ein­ba­rung, die als in­di­vi­du­el­ler zi­vil­recht­li­cher Arzt-Pa­ti­en­ten-Ver­trag zu wer­ten ist, ist die Vor­sor­ge­voll­macht ei­ne auf Selbst­be­stim­mung ba­sie­ren­de ge­ne­rel­le – pri­vat­au­to­no­me - Be­voll­mäch­ti­gung ei­ner Ver­trau­ens­per­son.“[67]

Auch wenn ge­richt­lich be­stell­te Be­treu­er und Be­voll­mäch­tig­te recht­lich ge­se­hen – ab­ge­se­hen von der Vor­rang­stel­lung des Be­voll­mäch­tig­ten – den glei­chen Sta­tus ha­ben, so un­ter­schei­den sich doch die bei­den For­men der Stell­ver­tre­tung an ent­schei­den­der Stel­le. Dies wird deut­lich, wenn man sich die Fra­ge stellt, in wel­chem Auf­trag die mit der Stell­ver­tre­tung be­auf­trag­te Per­son han­delt und wel­che Mög­lich­kei­ten der Be­trof­fe­ne hat, Ein­fluss auf die­se Per­son zu nehmen.[…].Obwohl der vom Ge­richt be­stell­te Be­treu­er […] ge­setz­lich da­zu ver­pflich­tet ist, im­mer zum Woh­le des Be­treu­ten zu han­deln, so liegt es letzt­lich doch im Er­mes­sen des Be­treu­ers, wie die­ses Wohl zu be­stim­men sei. Da ins­be­son­de­re bei ei­ner zwangs­wei­sen Ein­rich­tung der Be­treu­ung der Auf­trag­ge­ber nicht der Be­trof­fe­ne selbst ist, son­dern der Staat, ist es of­fen­sicht­lich, wel­che In­ter­es­sen im Kon­flikt­fall im Vor­der­grund ste­hen.[…]. Ei­ne Vor­sor­ge­voll­macht er­öff­net dem Voll­macht­ge­ber da­ge­gen prin­zi­pi­ell ei­gen­stän­dig, oh­ne staat­lich ver­mit­tel­te Für­sor­ge­per­son, die Mög­lich­keit, sei­ne höchst­per­sön­li­chen Rech­te ge­gen staat­li­che Ein­grif­fe um­fas­send ab­zu­si­chern und da­durch sei­ne Selbst­be­stim­mung und sei­nen Sub­jekt­sta­tus dau­er­haft auf­recht­zu­er­hal­ten. Hier ist der Auf­trag­ge­ber im­mer der Be­trof­fe­ne selbst. Ihm steht so­mit auch die Mög­lich­keit of­fen, die Voll­macht auf­zu­lö­sen und den Be­voll­mäch­tig­ten sei­ner Funk­ti­on zu entheben.[…].Mit der Vor­sor­ge­voll­macht er­setzt der Voll­macht­ge­ber für sich die Ein­rich­tung ei­ner Be­treu­ung funk­tio­nell und in­sti­tu­tio­nell und schafft Vor­ga­ben, wo­nach für ihn für den „Fall der Fäl­le“ kei­ne staat­li­che Für­sor­ge­per­son, son­dern ei­ne von ihm be­stimm­te Per­son als Ver­tre­ter han­delt, wo­bei die­ser Ver­tre­ter dann an Wün­sche und Vor­ga­ben be­züg­lich der Le­bens­ge­stal­tung im In­nen­ver­hält­nis ver­trag­lich ge­bun­den wer­den kann.“[68] Der im In­nen­ver­hält­nis durch ei­ne Ver­fü­gung, ei­nem Ver­trag zwi­schen Be­voll­mäch­tig­ten und Voll­macht­ge­ber do­ku­men­tier­te Wil­le „mag er auch ob­jek­tiv un­ver­nünf­tig er­schei­nen, ist für den Be­voll­mäch­tig­ten und Drit­te bindend.““Die Vor­sor­ge­voll­macht ist kei­ne Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung , in der der Wil­le des Er­rich­ten­den im Hin­blick auf spä­te­re ärzt­li­che Be­hand­lung und mög­li­che Ent­schei­dun­gen ethi­scher Fra­gen fest­ge­legt wird, ei­ne Vor­sor­ge­voll­macht kann aber auf ei­ne sol­che Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung Be­zug neh­men, um Vor­ga­ben für mög­li­che Ent­schei­dun­gen des Be­voll­mäch­tig­ten fest­zu­le­gen. In ei­ner Vor­sor­ge­voll­macht nimmt nur der Be­voll­mäch­tig­te Für­sor­ge­pflich­ten des Voll­macht­ge­bers wahr, der re­gel­mä­ßig oh­ne Vor­mund­schafts­ge­richt sei­ne Tä­tig­keit aus­übt.“[69]

Die oben zi­tier­ten Tex­te zur Vor­sor­ge­voll­macht stam­men noch aus der Zeit vor dem Ge­setz zur Re­ge­lung von Pa­ti­en­ten­ver­fü­gun­gen. Da­mals gab es ei­ne spe­zi­el­le Form von Vor­sor­ge­voll­macht („Vo­Vo“). Die­ses re­la­tiv kom­pli­zier­te Ver­trags­werk war an ei­ne Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung ge­bun­den, die dar­auf aus­ge­rich­tet war, psych­ia­tri­schen Zwang zu un­ter­sa­gen. Da seit dem 1.9.2009 Pa­ti­en­ten­ver­fü­gun­gen ver­bind­lich gül­tig sind, konn­te die Pat­Ver­fü sie er­set­zen, bei der die Ver­fü­gung nicht ein Teil der Vor­sor­ge­voll­macht, son­dern die Vor­sor­ge­voll­macht Teil der Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung ist. Bun­des­no­tar­kam­mer und Bun­des­ärz­te­kam­mer emp­feh­len so­gar, ei­ne Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung mit ei­ner Vor­sor­ge­voll­macht zu kom­bi­nie­ren.[70]

Die­se in die Pat­Ver­fü in­te­grier­te Vor­sor­ge­voll­macht ist wie­der­um ei­ne be­ding­te Voll­macht. Dass die ge­wähl­ten Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten nur sol­che sind, so lan­ge sie sich an den Wil­len des/der Voll­macht­ge­be­rIn hal­ten, wird in der Pat­Ver­fü an meh­re­ren Stel­len zum Aus­druck ge­bracht:

  • in der oben be­reits zi­tier­ten ein­lei­ten­den Pas­sa­ge: “Durch die Be­nen­nung von Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten am En­de die­ser Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung, de­ren Be­voll­mäch­ti­gung aber nur un­ter der Be­din­gung wirk­sam ist, wenn die­se sich strikt an die­se Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung hal­ten,…“.
  • in den Teil D) ein­lei­ten­den Sät­zen der Pat­Ver­fü: „Un­ter der Be­din­gung, dass die in A) bis C) aus­ge­führ­ten  Ver­fü­gun­gen ein­ge­hal­ten wer­den, be­voll­mäch­ti­ge ich ge­mäß § 1896 Ab­satz 2 BGB fol­gen­de Per­so­nen zu mei­nen Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten, die je­weils ein­zeln hand­lungs­be­rech­tigt sind. Die Be­voll­mäch­ti­gung ist an die Er­fül­lung der in die­ser Ver­fü­gung ge­nann­ten An­wei­sun­gen ge­bun­den. Die je­wei­li­ge Be­voll­mäch­ti­gung ist un­mit­tel­bar wi­der­ru­fen, soll­te die vor­sor­ge­be­voll­mäch­ti­ge Per­son von den in die­ser Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung von A) bis C) fest­ge­leg­ten An­wei­sun­gen ab­wei­chen.“
  • Am En­de von Teil D) wird vor­ge­sorgt für den Fall, dass es meh­re­re Be­voll­mäch­tig­te gibt und die­se sich un­ter­schied­lich ver­hal­ten: „Soll­ten sich An­wei­sun­gen mei­ner Vor­sor­ge­be­voll­mäch­ti­gen wi­der­spre­chen, gilt die An­wei­sung des Be­voll­mäch­tig­ten mit der nied­ri­ge­ren Ord­nungs­zahl oben.“

Die Be­din­gung un­ter der die Voll­macht nur Gül­tig­keit er­lan­gen kann, ver­stärkt da­her die ge­setz­li­che Re­ge­lung des § 1901 a BGB, in der fest­ge­legt ist, dass der Be­voll­mäch­tig­te dem in der Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung nie­der­ge­leg­ten Wil­len Gel­tung zu ver­schaf­fen hat. Ei­ne nicht-kon­for­me An­ord­nung einer/s Be­voll­mäch­tig­ten ist da­mit so­fort un­wirk­sam, da sie/er dann gar nicht Be­voll­mäch­tig­ter ist.

Die­se be­ding­te Voll­macht ist un­mit­tel­bar schon dann wirk­sam und in Kraft, wenn psych­ia­tri­scher Zwang an­ge­droht wer­den soll­te. Wenn die Psych­ia­trie beim Vor­zei­gen der Pat­Ver­fü von dem/der Be­trof­fe­nen ab­lässt, dann brau­chen Be­voll­mäch­tig­te al­ler­dings we­der be­nach­rich­tigt zu wer­den, ge­schwei­ge denn, zu han­deln – die Voll­macht soll­te in der Re­gel prä­ven­tiv (vor­beu­gend) wirk­sam sein, oh­ne voll­zo­gen wer­den zu müs­sen.

Weil mit der Pat­Ver­fü kei­ne psych­ia­tri­schen Dia­gno­sen ent­ste­hen kön­nen, wel­che die „Ein­wil­li­gungs­fä­hig­keit“ ab­spre­chen und auf­grund ei­ner  an­geb­li­chen „psy­chi­schen Krank­heit“ (psych­ia­tri­schen Dia­gno­se) nicht ent­mün­digt wer­den kann, kann nicht die Si­tua­ti­on ein­tre­ten, dass die Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten wie „Be­treue­rIn­nen“ ge­nann­te Vor­mün­der ge­gen den Wil­len der Voll­macht­ge­be­rIn­nen ent­schei­den kön­nen. Durch Be­voll­mäch­tig­te kann nur noch oh­ne den Wil­len der Voll­macht­ge­be­rIn­nen über­haupt et­was ge­re­gelt wer­den, wenn die­se z.B. in ei­nem län­ger an­hal­ten­den Ko­ma kei­nen Wil­len mehr zum Aus­druck brin­gen kön­nen und Si­tua­tio­nen auf­tre­ten, die we­der in der Pat­Ver­fü be­schrie­ben wur­den noch auf an­de­re Wei­se mit den Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten ver­ein­bart wur­den. Dann könn­te es al­ler­dings da­zu kom­men, dass die Be­voll­mäch­tig­ten et­was an­ord­nen, was sich, wenn sich die aus dem Ko­ma er­wa­chen­de Voll­macht­ge­be­rIn wie­der äu­ßern kann, als ge­gen de­ren Wil­len er­weist, hät­te er/sie sich zu dem Zeit­punkt äu­ßern kön­nen. Die Ge­fahr, dass der mut­maß­li­che Wil­le des/der Be­trof­fe­nen falsch ge­deu­tet oder gar nicht er­mit­telt wird oder dass die hilf­lo­se Per­son von ih­ren recht­li­chen Stell­ver­tre­te­rIn­nen in de­ren Ei­gen­in­ter­es­se miss­braucht wird, ist je­doch er­heb­lich ge­rin­ger, wenn ver­trau­ens­wür­di­ge Per­so­nen vor­sorg­lich be­voll­mäch­tigt wer­den, wel­che den/die Betroffene/n ken­nen als dass sich Frem­de und/oder miss­güns­ti­ge Per­so­nen, in ei­ner Si­tua­ti­on, in wel­cher der/die Be­trof­fe­ne kei­ne Kon­trol­le mehr hat, vom Ge­richt als recht­li­che Stell­ver­tre­te­rIn­nen ein­set­zen las­sen.

An sich ist ei­ne Vor­sor­ge­voll­macht an kei­ne be­stimm­te Form ge­bun­den, sie kann so­gar münd­lich (dann aber un­ter Zeu­gen) er­teilt wer­den. Es gibt je­doch zwei be­deut­sa­me Aus­nah­men: Ers­tens ist Schrift­form bei der Ein­rich­tung der Vor­sor­ge­voll­macht er­for­der­lich, „wenn der Be­voll­mäch­tig­te auch über ärzt­li­che Be­hand­lung und Ein­grif­fe ent­schei­den soll oder es um ei­ne Be­voll­mäch­ti­gung für Ein­grif­fe in höchst­per­sön­li­che Rechts­gü­ter wie frei­heits­ent­zie­hen­de Maß­nah­men durch Un­ter­brin­gung in ei­ne ge­schlos­se­ne Ein­rich­tung oder frei­heits­be­schrän­ken­de Maß­nah­men wie Fi­xie­ren, Me­di­ka­men­ten­ga­ben oder An­brin­gen von Bett­git­tern geht.“ Das ist bei der Pat­Ver­fü der Fall, das heißt die oben ge­nann­te Art von Ein­grif­fen wird im Be­reich Psych­ia­trie ver­bo­ten und auch des­halb ist die Vor­sor­ge­voll­macht in der Pat­Ver­fü schrift­lich zu be­kun­den. Zwei­tens: „Die Ein­ho­lung ei­ner no­ta­ri­el­len Be­ra­tung ist zwin­gend, wenn dem Be­voll­mäch­tig­ten auch die Mög­lich­keit ein­ge­räumt wer­den soll, über den Im­mo­bi­li­en­be­sitz des Voll­macht­ge­bers zu ver­fü­gen.“[71]

Ei­ne Vor­sor­ge­voll­macht kann für al­le Auf­ga­ben­be­rei­che des Be­treu­ungs­rechts, al­so die Ver­mö­gens­sor­ge, die Ge­sund­heits­sor­ge und das Auf­ent­halts­be­stim­mungs­recht er­teilt wer­den, eben­so kann ei­ne ent­spre­chend be­voll­mäch­tig­te Ver­trau­ens­per­son über frei­heits­be­schrän­ken­de, frei­heits­ent­zie­hen­de Maß­nah­men und über ärzt­li­che Heil­be­hand­lung oder Ein­grif­fe ent­schei­den. Vor­aus­set­zung nach Ge­set­zes­la­ge ist le­dig­lich, dass je­weils schrift­lich aus­drück­lich zu je­der der ge­nann­ten Re­ge­lungs­be­rei­che be­voll­mäch­tigt wur­de. [72] Die Sach­ver­hal­te, über die sich ei­ne Voll­macht er­streckt, müs­sen al­so kon­kret be­nannt wer­den, „ei­ne pau­scha­le Ge­ne­ral­voll­macht in Ver­mö­gens- und Ge­sund­heits­an­ge­le­gen­hei­ten“ [reicht] kei­nes­falls aus. Je­de das Selbst­be­stim­mungs­recht ein­schrän­ken­de Voll­macht muss ge­nau den Ge­gen­stand der Be­schrän­kung, et­wa frei­heits­ent­zie­hend oder frei­heits­be­schrän­kend, so­gar ge­ge­be­nen­falls die Zu­stim­mung zur Er­pro­bung nicht zu­ge­las­se­ner Heil­ver­fah­ren, be­zeich­nen.“[73]

Um die Pat­Ver­fü zweck­ge­mäß wirk­sam wer­den zu las­sen, muss da­her un­ter „Lis­te der Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten“ min­des­tens ein/e Be­voll­mäch­tig­te ein­ge­tra­gen wer­den. Bes­ser sind meh­re­re Be­voll­mäch­tig­te. Die Be­voll­mäch­tig­ten be­le­gen dann je­weils ei­ne mit ei­ner Ord­nungs­zahl 1), 2), 3), 4), …. ver­se­he­ne Zei­le. (Die im Vor­druck-For­mu­lar an­ge­ge­be­nen Zei­len sind auch wie­der Bei­spiel, sie kön­nen dann ent­spre­chend der An­zahl Ih­rer Be­voll­mäch­tig­ten ge­löscht oder er­wei­tert wer­den.) Wich­tig ist, voll­stän­di­ge An­ga­ben zu ma­chen

  • be­treffs der Per­so­nal­da­ten der Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten, al­so Vor­na­me, Na­me, der­zei­ti­ge Adres­se, der­zei­ti­ge Te­le­fon­num­mer, zwecks Iden­ti­fi­ka­ti­on und Erreichbarkeit/Kontaktaufnahme
  • be­treffs der den je­wei­li­gen Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten zu­ge­teil­ten Auf­ga­ben­be­rei­che

Die Auf­ga­ben­be­rei­che der Be­voll­mäch­tig­ten kön­nen durch Strei­chun­gen im For­mu­lar li­mi­tiert wer­den. Da­bei ist aber zu be­ach­ten: Für al­le Be­rei­che, in de­nen es kei­ne Be­voll­mäch­ti­gung gibt, kann ei­nem un­ter Um­stän­den von ei­nem Vor­mund­schafts­ge­richt ein/e „Be­treue­rIn“ auf­ge­zwun­gen wer­den. Die Ent­mün­di­gung in ein­zel­nen Be­rei­chen kann dann zur For­de­rung nach Ent­mün­di­gung in an­de­ren Teil­be­rei­chen füh­ren. Mit an­de­ren Wor­ten: Al­le Be­rei­che, die nicht durch eine/n Bevollmächtigte/n ab­ge­deckt sein soll­ten, er­mög­li­chen es dem „Be­treu­ungs­ge­richt“, selbst über die­se Be­rei­che zu ent­schei­den bzw. ei­nen ge­setz­li­chen „Be­treu­er“ für die­se Ent­schei­dung zu be­stel­len und bie­ten even­tu­ell ein Ein­falls­tor für ei­ne auch an­de­re oder al­le Be­rei­che um­fas­sen­de Zwangs-“Betreuung“. So ist in der Pat­Ver­fü auch am En­de der Lis­te der Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten ver­merkt: „Al­le Vor­sor­ge­be­voll­mäch­ti­gun­gen gel­ten für al­le Auf­ga­ben­be­rei­che, ins­be­son­de­re mei­ne Auf­ent­halts­be­stim­mung, mei­ne Ge­sund­heits­für­sor­ge und mei­ne Ver­mö­gens­sor­ge, wenn die­se nicht oben durch Strei­chung aus­ge­schlos­sen wur­de.“ Ei­ne ent­spre­chen­de Zu­wei­sung bzw. Strei­chung von Auf­ga­ben­be­rei­chen ist sinn­voll, vor al­lem, wenn für den Fall des län­ger an­hal­ten­den Ko­mas vor­ge­sorgt wer­den soll, da dann even­tu­ell z.B. Über­wei­sun­gen vom Kon­to des Be­trof­fe­nen ge­macht wer­den müs­sen, die man am liebs­ten Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen über­las­sen möch­te, de­nen man sonst aber even­tu­ell zu­trau­en wür­de, dass sie ei­ner psych­ia­tri­schen Ein­sper­rung zu­stim­men könn­ten. Die Op­ti­on weg­zu­sper­ren ver­un­mög­licht die­se Pat­Ver­fü, aber sie er­laubt im Son­der­fall ei­nes län­ger an­hal­ten­den Ko­mas, dass die fi­nan­zi­el­len Din­ge von na­hen An­ge­hö­ri­gen ge­re­gelt wer­den. (Wei­te­res sie­he: „Zur Wahl von ge­eig­ne­ten Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten“)

Wi­der­rufs­vor­be­halt und Schluss­for­mel: „Mir ist be­kannt, dass ich die Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung und er­teil­te Voll­macht je­der­zeit im Gan­zen oder teil­wei­se wi­der­ru­fen kann, so­fern ich zum Zeit­punkt des Wi­der­rufs ge­schäfts­fä­hig bin.“ Hier­nimmt die Ver­fas­se­rIn ei­ner Pat­Ver­fü Be­zug auf § 1901a  BGB, Ab­satz 1: „Ei­ne Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung kann je­der­zeit form­los wi­der­ru­fen wer­den“. Wei­te­res ist dem Pa­ti­en­ten­ver­fü­gungs­ge­setz hin­sicht­lich des Wi­der­rufs nicht zu ent­neh­men. Es ist al­ler­dings ein Rechts­grund­satz, dass man für die Auf­he­bung ei­ner Wil­lens­er­klä­rung die glei­chen Fä­hig­kei­ten braucht, wie für die Wil­lens­er­klä­rung selbst. Das ver­hält sich bei ei­ner Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung ge­nau­so wie bei ei­nem Tes­ta­ment: Wenn je­mand ein Tes­ta­ment macht und wi­der­ruft es, muss die Per­son in bei­den Fäl­len tes­tier­fä­hig sein. Da­her rührt die Ein­schrän­kung im Wi­der­rufs­vor­be­halt der Pat­Ver­fü „…so­fern ich zum Zeit­punkt des Wi­der­rufs ge­schäfts­fä­hig bin“. Fak­tisch wird ein/e Ver­fas­se­rIn seine/ihre Pat­Ver­fü im­mer wi­der­ru­fen kön­nen, es sei denn, er/sie kann sich auf­grund von Ko­ma oder Ähn­li­chem nicht äu­ßern. Denn: Er/sie bleibt im­mer ge­schäfts­fä­hig, da ja die psych­ia­tri­schen Un­ter­su­chun­gen un­ter­sagt sind, mit de­nen even­tu­ell die Ge­schäfts­fä­hig­keit be­strit­ten wer­den könn­te.

Wei­ter heißt es im Wi­der­rufs­vor­be­halt der Pat­Ver­fü: „Ich bin mir der Trag­wei­te und Rechts­fol­gen die­ser Voll­macht, über die ich mich hin­rei­chend in­for­miert ha­be, be­wusst.“ Eben­so wird noch­mal die Ei­gen­ver­ant­wort­lich­keit und auch die Ein­wil­li­gungs­fä­hig­keit der Voll­macht­ge­be­rIn und Ver­fas­se­rIn in der Schluss­for­mel zum Aus­druck ge­bracht: „Die­se Voll­macht ha­be ich frei­wil­lig und un­be­ein­flusst im Voll­be­sitz mei­ner geis­ti­gen Kräf­te ver­fasst.“

Hin­weis auf al­te Er­klä­run­gen: Am En­de ent­hält die Pat­Ver­fü noch ei­nen Hin­weis auf al­te Er­klä­run­gen, sei es ei­ne be­stehen­de Vor­sor­ge­voll­macht oder z.B. die Bo­chu­mer Wil­lens­er­klä­rung oder ein psych­ia­tri­sches Tes­ta­ment oder ei­ne an­de­re al­te Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung, mit der da­mals be­reits über psych­ia­tri­sche Be­hand­lung (und Un­ter­su­chung) selbst be­stimmt wur­de: „Die­se Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung er­setzt mei­ne frü­he­re Vor­sor­ge­voll­macht und Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung vom… “ Da­mit lässt sich nach­wei­sen, dass es sich um ein kon­ti­nu­ier­li­ches An­lie­gen han­delt, nicht zwangs­ein­ge­wie­sen und nicht zwangs­be­han­delt zu wer­den. Des­halb soll­te ei­ne sol­che al­te Ver­fü­gung  auf­ge­ho­ben wer­den. Wer kei­ne hat­te, kann die­sen Satz strei­chen.


[64] Zur recht­li­chen Un­ter­schei­dung des „frei­en“ vom „na­tür­li­chen“ Wil­len vgl. Ka­pi­tel .

[65] Die­se An­sicht ba­siert vor al­lem dar­auf, dass mensch­li­ches Ver­hal­ten, Ge­dan­ken und Ge­füh­le im me­di­zi­ni­schen Sin­ne nicht „krank“ sein kön­nen. „Psy­chi­sche Krank­heit“ ist da­her al­len­falls ei­ne Me­ta­pher, so wie zu sa­gen, ein Witz sei “krank”  oder “es krankt an gu­ten Ide­en”. Zur Nicht-Exis­tenz von „psy­chi­schen Krank­hei­ten“ sie­he: Tho­mas Szasz, Geis­tes­krank­heit. Ein mo­der­ner My­thos? Kind­ler: Mün­chen 1975. Ders., „My­thos Geis­tes­krank­heit“, deut­sche Über­set­zung des Ur­sprungs­ar­ti­kels „The Myth of Men­tal Ill­ness“, er­schie­nen 1960 in Ame­ri­can Psy­cho­lo­gist: www.szasz-texte.de/texte/mythos-geisteskrankheit.html; FAQ des Wer­ner-Fuß-Zen­trums, „1.0 Gibt es über­haupt so et­was wie ‚psy­chi­sche Krank­heit‘?“: www.zwangspsychiatrie.de/faq/faq#0

[66] Sa­schen­bre­cker, Tho­mas: Das Mo­dell der Pri­vat­au­to­no­mie der Vor­sor­ge­voll­macht als Al­ter­na­ti­ve zum gel­ten­den Be­treu­ungs­recht. Vor­trag an der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin am 16.11.00 und am Schau­spiel­haus Han­no­ver am 25.11.00.

[67] Ebd.

[68] Sa­schen­bre­cker, Thomas/Talbot, Re­né: Wie die Vor­sor­ge­voll­macht das Selbst­be­stim­mungs­recht um­fas­send si­chern kann. Stell­ver­tre­tung durch ei­ne Vor­sor­ge­voll­macht und el­ter­li­che Rech­te – ein Ver­gleich. 2005. www.psychiatrierecht.de/vovo_wie_wirkt_sie.htm

[69] ebd.

[71] ebd.

[72] ebd.

[73] ebd.