PatVerfü-Handbuch

Das PatVerfü-Handbuch enthält ausführliche Informationen rund um das Thema PatVerfü. Sie können das Handbuch online lesen, als EBook herunterladen oder die gedruckte Broschüre bestellen. Oder lesen Sie die Einführung ins Thema.

Das PatVerfü-Handbuch ent­hält aus­führ­li­che In­for­ma­tio­nen rund um das Thema Pat­Verfü. Die The­men rei­chen von den ge­setz­li­chen Grund­la­gen für psych­ia­tri­schen Zwang bis hin zu prak­ti­schen Tipps, um sich mit der Pat­Verfü vor Zwangs­maß­nahmen zu schützen.

Die eigene PatVerfü verfassen

Recht­zei­tig vor­sor­gen: Lei­der ver­hin­dert die Hoff­nung, „es wird schon nichts pas­sie­ren“, re­gel­mä­ßig ei­ne ge­ziel­te Vor­beu­gung mit der Pat­Ver­fü. Und weil land­läu­fig die Psych­ia­tri­sier­ten, die Ir­ren­häus­ler, im­mer nur als die „An­de­ren“ ge­se­hen wer­den, den­ken vie­le, dass das nur an­de­ren pas­sie­ren kann. So wird un­ter­schätzt, wie schnell „das ers­te Mal“ sein kann. Mit dem so ge­nann­ten „So­zi­al­psych­ia­tri­schen Dienst“ (SpD) hat die Zwangs­psych­ia­trie ein dich­tes Netz von Über­wa­chungs- und Kon­troll­in­sti­tu­tio­nen ge­schaf­fen, die be­reits auf­grund ei­ner Ver­leum­dung durch z.B. den Ver­mie­ter, miss­güns­ti­ge Nach­barn oder An­ge­hö­ri­ge ge­gen Sie in Ak­ti­on tre­ten kön­nen. Dies ist re­gel­mä­ßig der Be­ginn ei­ner lang­an­dau­ern­den Ver­fol­gung durch die­se Be­hör­de, ver­bun­den mit ei­ner stän­di­gen Be­dro­hung durch psych­ia­tri­sche Zwangs­maß­nah­men. Ver­hal­ten, das von an­de­ren als „stö­rend“ oder „auf­fäl­lig“ emp­fun­den wird, ist häu­fig der An­lass, die Po­li­zei zu ru­fen. Solch ei­ne Si­tua­ti­on kann für den „Stö­rer“ schnell mit ei­ner Zwangs­ein­wei­sung in der nächst­ge­le­ge­nen ge­schlos­se­nen Ab­tei­lung ei­ner Psych­ia­trie en­den. Das kann ei­nem un­ter Um­stän­den so­gar pas­sie­ren, wenn man die Po­li­zei selbst zum ver­meint­lich ei­ge­nen Schutz ge­ru­fen hat. Psych­ia­tri­scher Zwang wird im­mer un­ter dem Vor­wand aus­ge­übt, der Be­trof­fe­ne be­nö­ti­ge Hil­fe, auch wenn er im Mo­ment vom Ge­gen­teil über­zeugt sein soll­te. Wenn Sie auf Ih­rem Recht be­stehen, selbst dar­über zu ent­schei­den, ob und wie Ih­nen ge­hol­fen wer­den soll und Sie sich ge­gen die An­wen­dung psych­ia­tri­schen Zwangs, auch ge­gen ei­ne un­frei­wil­li­ge „Dia­gnos­ti­zie­rung“ (ei­gent­lich: Ver­leum­dung) schüt­zen wol­len, dann emp­feh­len wir Ih­nen drin­gend, sich mit ei­ner Pat­Ver­fü schon jetzt ab­zu­si­chern, be­vor es un­ter Um­stän­den zu spät sein könn­te. Ha­ben Sie kei­ne Pat­Ver­fü und sit­zen in ei­ner Ge­schlos­sen fest, dann nutzt es Ih­nen für die­se Si­tua­ti­on nichts, wenn Sie sich dann erst ent­schlie­ßen, ei­ne Pat­Ver­fü zu ver­fas­sen, denn die Psych­ia­te­rIn­nen wer­den Sie be­reits dia­gnos­ti­ziert ha­ben und da­durch ha­ben Sie Ih­re „Ein­wil­li­gungs­fä­hig­keit“, die ja Vor­aus­set­zung ist für die Gül­tig­keit ei­ner Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung, vor Ge­richt für die Zeit, in der Sie ge­fan­gen ge­hal­ten wer­den, ver­lo­ren. Wenn Sie wie­der drau­ßen sind und der ge­richt­li­che Un­ter­brin­gungs­be­schluss ab­ge­lau­fen ist und ei­nen Arzt ge­fun­den ha­ben, der Ih­re Ge­schäfts­fä­hig­keit at­tes­tiert (sie­he un­ten), steht dem Ver­fas­sen ei­ner rechts­gül­ti­gen Pat­Ver­fü wie­der­um nichts im We­ge. Noch fol­gen­rei­cher ist die man­geln­de Vor­sor­ge, soll­ten Sie per „Be­treu­ung“ ent­mün­digt wer­den. Der kom­pli­zier­te und auf­wen­di­ge Weg der Be­frei­ung aus ei­ner „Be­treu­ung“ ge­nann­ten Vor­mund­schaft mit Hil­fe ei­ner Pat­Ver­fü wird in „Be­frei­ung aus ei­ner Zwangs-„Betreuung“ mit­hil­fe ei­ner Pat­Ver­fü“ be­schrie­ben. Recht­zei­ti­ge Vor­sor­ge kann al­so un­ter Um­stän­den ei­ne Men­ge Är­ger, Leid und Geld er­spa­ren.

Für den Fall, dass Sie oder Be­kann­te von Ih­nen, de­nen Sie hel­fen möch­ten, (den­noch) oh­ne Pat­Ver­fü in ei­ne psych­ia­tri­sche Not­la­ge ge­ra­ten sind, ver­wei­sen wir auf die Tipps des Wer­ner-Fuß-Zen­trums im In­ter­net:

Bei Zwangs­dia­gno­se: www.zwangspsychiatrie.de/erste-hilfe/zwangsdiagnostiziert

Bei zwangs­wei­ser Un­ter­brin­gung: www.zwangspsychiatrie.de/erste-hilfe/zwangseingewiesen

Bei Zwangs­be­hand­lung: www.zwangspsychiatrie.de/erste-hilfe/zwangsbehandelt

 

Her­stel­lung, Ver­viel­fäl­ti­gung, Ver­wah­rung und ein­satz­be­reit Hal­tung Ih­res Pat­Ver­fü-Do­ku­ments. Das Mus­ter­for­mu­lar der Pat­Ver­fü kann in ver­schie­de­nen For­ma­ten (RTF für die Be­ar­bei­tung mit ei­nem Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gramm, PDF zum Aus­dru­cken und hand­schrift­li­chen Aus­fül­len) un­ter www.PatVerfü.de/formular aus dem In­ter­net her­un­ter­ge­la­den wer­den. Es steht oh­ne Ver­let­zung des Co­py­rights zur nicht-kom­mer­zi­el­len Ver­wen­dung zur Ver­fü­gung.

Das For­mu­lar im RTF-For­mat kön­nen Sie mit ei­nem Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gramm öff­nen, in­di­vi­du­el­le Än­de­run­gen bzw. Er­gän­zun­gen vor­neh­men oder auch nicht zu­tref­fen­de Tei­le ge­ge­be­nen­falls strei­chen. Bei Strei­chun­gen be­ach­ten Sie bit­te un­be­dingt un­se­re Hin­wei­se zum Aus­fül­len des For­mu­lars, um die Wirk­sam­keit der Pat­Ver­fü nicht zu be­ein­träch­ti­gen.

Da­nach soll­ten Sie so vie­le Ex­em­pla­re wie be­nö­tigt aus­dru­cken und je­weils un­ter­zeich­nen (Ort, Da­tum und Un­ter­schrift – der Platz­hal­ter be­fin­det sich im Vor­druck auf der zwei­ten Sei­te un­ten). Un­ser Mus­ter­for­mu­lar der Pat­Ver­fü hat nur zwei Sei­ten, die sich auf ei­nem A4-Blatt beid­sei­tig aus­dru­cken las­sen, so dass die Un­ter­schrift auf der Rück­sei­te für das gan­ze Do­ku­ment hin­rei­chend ist.

Al­le ih­re Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten sol­len ein Ex­em­plar Ih­rer Pat­Ver­fü er­hal­ten und zwar je­weils mit ei­ner Un­ter­schrift im Ori­gi­nal. Das ist sehr wich­tig, denn sie kön­nen nur mit ei­nem Ori­gi­nal der Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung in Hän­den wirk­sa­me An­ord­nun­gen tref­fen. (Al­so nicht ko­pie­ren, son­dern für jede/n Bevollmächtigte/n ein Ex­em­plar aus­dru­cken und dann un­ter­schrei­ben.) Die Be­voll­mäch­tig­ten hin­ge­gen un­ter­schrei­ben die Pat­Ver­fü nicht. Es soll­te nur vor­her mit ih­nen be­spro­chen wor­den sein, dass sie die Voll­macht an­neh­men, ob sie da­für ge­eig­net sind und sie soll­ten vor­be­rei­tet dar­auf sein, was zu tun ist, wenn sie in Ak­ti­on tre­ten sol­len. De­ren Adres­se und vor al­lem die Te­le­fon­num­mer soll­ten ak­tu­ell ge­hal­ten wer­den, denn nicht nur Sie soll­ten Ihre/n Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten im Not­fall te­le­fo­nisch er­rei­chen kön­nen, son­dern es ist auch sinn­voll, wenn die Be­voll­mäch­tig­ten sich in Not­si­tua­tio­nen mit­ein­an­der be­spre­chen und so zum Bei­spiel Auf­ga­ben tei­len kön­nen. Am Wich­tigs­ten ist, dass Sie ein Ex­em­plar Ih­rer Pat­Ver­fü im­mer bei sich ha­ben, um es je­der­zeit den­je­ni­gen vor­zei­gen zu kön­nen, die mit Zwangs­psych­ia­trie dro­hen (Nä­he­res sie­he un­ten). Wir emp­feh­len, die Vor­der­sei­te der Pat­Ver­fü mit Klar­sicht-Kle­be­fo­lie zu be­zie­hen (für die bes­se­re Halt­bar­keit) und sie dann ge­fal­tet in ih­rer Brief­ta­sche oder ei­nem an­de­ren trag­ba­ren Be­häl­ter zu ver­stau­en. Re­ser­ve-Ex­em­pla­re der Pat­Ver­fü ver­wah­ren Sie zu­hau­se in Ih­ren per­sön­li­chen Ak­ten, zu­sam­men mit dem Ori­gi­nal des Ge­schäfts­fä­hig­keitsat­tests (sie­he un­ten) und, falls vor­han­den, zu­sam­men mit ih­ren al­ten Erklärungen/Patientenverfügungen/Vorsorgevollmachten.

 

Ge­schäfts­fä­hig­keit zeit­nah at­tes­tie­ren las­sen. Da Pa­ti­en­ten­ver­fü­gun­gen nur dann recht­lich gül­tig und ver­bind­lich sind, wenn sie von den Be­tref­fen­den im Zu­stand der „Ein­wil­li­gungs­fä­hig­keit“ ver­fasst wor­den sind, ist es sinn­voll, sich die­se mit ei­nem ärzt­li­chen At­test auf Ge­schäfts­fä­hig­keit be­stä­ti­gen zu las­sen. Das ist ge­ra­de für die An­er­ken­nung ei­ner Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung, die psych­ia­tri­schen Zwang aus­schließt, be­son­ders sinn­voll, denn so ist Psych­ia­te­rIn­nen vor Ge­richt die Mög­lich­keit ge­nom­men, zu be­haup­ten, die Ver­fas­se­rIn sei an­geb­lich „geis­tes­krank“ ge­we­sen, als sie ih­ren Wil­len do­ku­men­tier­te. Das Bes­te ist al­so, dass das Da­tum des At­test auf den Tag ge­nau über­ein­stimmt mit dem Da­tum Ih­rer Un­ter­schrift auf der Pat­Ver­fü. Auch um da­mit ver­bun­de­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Schwie­rig­kei­ten zu ver­mei­den, ist es sinn­voll, sich recht­zei­tig um die Pat­Ver­fü mit­samt zu­ge­hö­ri­gem At­test, der Su­che nach Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten und auch ih­rem Ein­trag bei der Bun­des­no­tar­kam­mer (auch sehr wich­tig! Sie­he un­ten) zu küm­mern und nicht erst in Si­tua­tio­nen, wenn es be­reits brenz­lig ge­wor­den ist. Die Ge­schäfts­fä­hig­keit be­stä­ti­gen kann jede/r approbierte/r Me­di­zi­ne­rIn. Falls ihr Haus­arzt zu vor­ein­ge­nom­men sein soll­te, weil ihm psych­ia­tri­sche „Dia­gno­sen“ aus Ih­rer Ver­gan­gen­heit be­kannt sein soll­ten und Ih­re der­zei­ti­ge Er­schei­nung sei­ne Vor­ur­tei­le nicht aus­räumt und sich so­mit wei­gert, Ih­re vol­le Ge­schäfts­fä­hig­keit zu be­stä­ti­gen, dann su­chen sie ein­fach ei­nen an­de­ren Arzt oder Ärz­tin auf. Durch Doktor-„Hopping“ wird sich ein Ge­schäfts­fä­hig­keitsat­test im­mer be­sor­gen las­sen.

Das Ori­gi­nal des Ge­schäfts­fä­hig­keitsat­tests soll­te bei den Un­ter­la­gen zu­hau­se ver­wahrt wer­den. Es ist dar­über hin­aus emp­feh­lens­wert, jeder/m Vorsorgebevollmächtigte/n ei­ne Ko­pie des At­tests an­hand zu ge­ben.

Zur Wahl von ge­eig­ne­ten Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten. 

  1. Im Prin­zip kann je­de voll­jäh­ri­ge Per­son be­voll­mäch­tigt wer­den, um recht­lich an­er­kannt zu wer­den, au­ßer es han­delt sich um eine/n Entmündigte/n, eine/n Inhaftierte/n oder den/die Heim­lei­te­rIn des/der Be­trof­fe­nen.
  2. Bei der Wahl der Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten ist dar­auf zu ach­ten, dass die be­voll­mäch­tig­ten Per­so­nen ver­trau­ens­wür­dig, kon­se­quent und zu­ver­läs­sig sind (oder zu­min­dest er­schei­nen) und dar­über hin­aus auch zeit­li­che Res­sour­cen ha­ben, ih­re Auf­ga­ben zu er­le­di­gen, wenn es dar­auf an­kommt, dass sie das in der Pat­Ver­fü ver­füg­te durch­set­zen. Letz­te­res kann be­deu­ten, dass ein/e Bevollmächtigte/r le­dig­lich ein Fax, das aus der Pat­Ver­fü und ei­nem kur­zen An­schrei­ben be­steht, mit dem An­wei­sung auf so­for­ti­ge Frei­las­sung ge­ge­ben wird, an Psych­ia­trie oder so­zi­al­psych­ia­tri­schen Dienst sen­den und/oder ein kur­zes Te­le­fo­nat füh­ren muss mit den­je­ni­gen, die mit Zwangs­un­ter­brin­gung dro­hen. Mög­li­cher­wei­se müs­sen die Be­voll­mäch­tig­ten aber auch bei ei­nem lang­wie­ri­gen Rechts­streit durch meh­re­re In­stan­zen durch­hal­ten. Wich­tig zur Durch­set­zung des Schut­zes vor Zwangs­psych­ia­trie ist, sol­che Men­schen zu be­voll­mäch­ti­gen, die eine/n in je­dem Fall vor zwangs­psych­ia­tri­schen Maß­nah­men be­wah­ren wol­len. Die Voll­macht ist wert­los, wenn die Be­voll­mäch­tig­ten nicht kon­se­quent sind. Ein Bei­spiel: Sie wer­den wi­der­recht­lich in ei­ner Ge­schlos­se­nen fest­ge­hal­ten, ob­wohl Sie Ih­re Pat­Ver­fü vor­ge­zeigt ha­ben. Sie ru­fen da­her Ihre/n Vorsorgebevollmächtigte/n an, da­mit er/sie an­weist, dass Sie frei­ge­las­sen wer­den. Der/die be­voll­mäch­tig­te Freun­dIn oder Ver­wand­te hat je­doch er­fah­ren, dass Sie ak­tu­ell in ei­ner Le­bens­kri­se ste­cken und ge­äu­ßert hät­ten, dass Sie er­wä­gen, Ih­rem Le­ben ein En­de zu set­zen oder ei­nen Selbst­tö­tungs­ver­such ge­macht ha­ben. Weil der/die Bevollmächtigte/r nun Angst hat, Sie zu be­frei­en, aus der Mut­ma­ßung her­aus, Ih­nen könn­te et­was zu­sto­ßen, miss­ach­tet er/sie Ih­ren Wil­len zu­guns­ten Ih­res an­geb­li­chen ‚Woh­les‘ (aber ei­gent­lich zu sei­nem ei­ge­nen Wohl­be­fin­den) und lässt Sie sitzen.Auch wenn Sie z.B. für den Fall ei­ner mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit töd­lich en­den­den Krank­heit vor­sor­gen möch­ten und ein na­he­ste­hen­der Mensch als Vorsorgebevollmächtigte/r durch­set­zen soll, dass kei­ne le­bens­er­hal­ten­den Maß­nah­men er­grif­fen wer­den sol­len, er aber be­reits im Vor­feld Zwei­fel an­ge­deu­tet hat, das nicht übers Herz zu brin­gen, wer­den Sie bes­ser eine/n andere/n Bevollmächtigte/n su­chen (falls es nicht so­gar ein An­lass ist, das Vor­ha­ben ganz zu über­den­ken).
  3. Es ist bes­ser, meh­re­re Per­so­nen zu be­voll­mäch­ti­gen, denn im Not­fall muss ein/e Vorsorgebevollmächtigte/r rund um die Uhr er­reich­bar sein und wenn mal eine/r aus­fällt, kann der/die an­de­re ein­sprin­gen. Wenn Sie dann die Per­son, der Sie am meis­ten ver­trau­en und die Ih­nen am zu­ver­läs­sigs­ten er­scheint, an ers­ter Stel­le ein­tra­gen, kann nicht mehr viel schief ge­hen, denn in der Pat­Ver­fü ist ja ge­re­gelt, dass wenn es Wi­der­sprüch­lich­kei­ten bei den Hand­lun­gen der Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten ge­ben soll­te, dann „gilt die An­wei­sung des Be­voll­mäch­tig­ten mit der nied­ri­ge­ren Ord­nungs­zahl oben“.
  4. Zu­sätz­lich ist es emp­feh­lens­wert, eine/n Rechts­an­wal­tIn zu ge­win­nen, der/die sich auch als Bevollmächtigte/r ein­tra­gen lässt. Da­mit er­rei­chen Sie, dass kein/e Rich­te­rIn mehr in Ver­su­chung ge­ra­ten kann, zu un­ter­stel­len, die Be­voll­mäch­tig­ten könn­ten „un­ge­eig­net“ sein, da zu­min­dest ein Be­voll­mäch­tig­ter, al­so die An­wal­tIn, ein Or­gan der deut­schen Rechts­pfle­ge ist. An­wäl­tIn­nen ha­ben oft we­nig Zeit für eh­ren­amt­li­che Be­tä­ti­gun­gen, da­her könn­ten Sie Ih­re An­wal­tIn viel­leicht über­zeu­gen, mit­zu­ma­chen, wenn Sie ihm/ihr er­klä­ren, dass falls die Si­tua­ti­on ein­tritt, dass Be­voll­mäch­tig­te han­deln müs­sen, Sie erst ein­mal die an­de­ren Be­voll­mäch­tig­ten kon­tak­tie­ren. Der/die An­wäl­tIn wird in die­sem Fall nicht auf der obe­ren Po­si­ti­on in der Lis­te der Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten ste­hen.

Re­gis­trie­rung beim Vor­sor­ge­re­gis­ter der Bun­des­no­tar­kam­mer: Wir emp­feh­len drin­gend, die Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten ins zen­tra­le Vor­sor­ge­re­gis­ter der Bun­des­no­tar­kam­mer ein­zu­tra­gen. Al­le Rich­te­rIn­nen des Vor­mund­schafts- bzw. – wie es neu­er­dings heißt – Be­treu­ungs­ge­richts, ha­ben on­line Zu­griff auf die­ses bun­des­wei­te Re­gis­ter. Soll­te es ir­gend­wie da­zu kom­men, dass Ih­re An­ge­le­gen­heit vor Ge­richt kommt, dann wä­re es ein schwe­res Ver­säum­nis ei­ner Rich­te­rIn, sich nicht vor ei­ner Ent­schei­dung in die­sem Re­gis­ter in­for­miert zu ha­ben, ob ei­ne Vor­sor­ge­voll­macht exis­tiert. Wenn ja, denn bleibt dem Ge­richt nur noch zu prü­fen, ob die­se Voll­macht ak­tu­ell auf­recht­erhal­ten ist. Wenn dies der Fall ist, dann kann recht­mä­ßig kei­ne Zwangs­be­treu­ung mehr ein­ge­rich­tet wer­den und ei­ne psych­ia­tri­sche Zwangs­ein­wei­sung könn­te auch nur noch le­ga­li­siert wer­den, wenn ei­ne Be­voll­mäch­tig­te ihr nicht wi­der­spro­chen hat. (Die Aus­nah­me ist, wenn nach er­heb­li­chen Straf­ta­ten die fo­ren­si­sche Zwangs­un­ter­su­chung an­ge­ord­net wird. Aber selbst bei ei­ner fo­ren­si­schen Ge­fan­gen­nah­me soll­te  sich noch ei­ne Zwangs­be­hand­lung mit ei­nem Be­voll­mäch­tig­ten ver­hin­dern las­sen.)

Den Ein­trag ins Vor­sor­ge­re­gis­ter kön­nen Sie sel­ber er­le­di­gen. Die Ein­gangs­sei­te der Bun­des­no­tar­kam­mer ist hier: www.vorsorgeregister.de/ZVR-Zentrales-Vorsorgeregister/Zentrales-Vorsorgeregister-ZVR.php

Die Bun­des­no­tar­kam­mer er­hebt für die Re­gis­trie­rung auf­wands­be­zo­ge­ne Ge­büh­ren, die nur ein­mal an­fal­len und die dau­er­haf­te Re­gis­trie­rung und Be­aus­kunf­tung an die Vor­mund­schafts­ge­rich­te ab­de­cken. (Spä­ter kön­nen nur noch Kos­ten für Än­de­run­gen hin­zu­kom­men, z.B. falls Sie oder ei­ner Ih­rer Be­voll­mäch­tig­ten um­ge­zo­gen sind.) Am güns­tigs­ten ist die Ein­tra­gung per In­ter­net: Wenn die Rech­nung zu­dem noch im Last­schrift­ver­fah­ren be­gli­chen wird, be­trägt die Ge­bühr bei ei­nem Be­voll­mäch­tig­ten 13 Eu­ro, für jede/n weitere/n Bevollmächtigte/n fal­len zu­sätz­lich 2,50 € an.[74] Den Dia­log für die on­line-Re­gis­trie­rung kön­nen Sie mit Klick auf „Pri­vat­per­so­nen“ in der rech­ten Spal­te von hier aus star­ten: www.vorsorgeregister.de/ZVR-Zentrales-Vorsorgeregister/Wege-zum-Register/Meldungen-durch-Privatpersonen/index.php

Sie kön­nen den Ein­trag an­sons­ten auch per Post oder Fax ma­chen (kos­tet ein we­nig mehr), die For­mu­la­re zum Down­load sind hier: www.vorsorgeregister.de/ZVR-Zentrales-Vorsorgeregister/Wege-zum-Register/Meldungen-durch-Privatpersonen/Papier-Meldeverfahren.php

Drei Din­ge sind bei der Re­gis­trie­rung der Pat­Ver­fü im Vor­sor­ge­re­gis­ter be­son­ders zu be­ach­ten[75]:

  1. Die Bun­des­no­tar­kam­mer fragt im ers­ten Ab­satz des  Re­gis­trie­rungs­for­mu­lars (dies gilt so­wohl für die Pa­pier- als auch für die On­line-Re­gis­trie­rung) mit der For­mu­lie­rung „Voll­macht er­teilt zur Er­le­di­gung von:“ die Be­rei­che ab, für die die Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung bzw. Vor­sor­ge­voll­macht bzw. die Be­treu­ungs­ver­fü­gung gel­ten soll. Will man psych­ia­tri­schen Zwang ef­fek­tiv aus­schlie­ßen (und das ist ja der Sinn der Er­rich­tung ei­ner Pat­Ver­fü), müs­sen al­le Be­rei­che – „Ver­mö­gens­an­ge­le­gen­hei­ten“, „An­ge­le­gen­hei­ten der Ge­sund­heits­sor­ge“, „An­ge­le­gen­hei­ten der Auf­ent­halts­be­stim­mung“, „sons­ti­gen per­sön­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten“ – an­ge­kreuzt wer­den (ent­spre­chend wie in der Pat­Ver­fü zur vol­len Ab­si­che­rung ge­gen psych­ia­tri­schen Zwang für je­den Be­reich min­des­tens ein Be­voll­mäch­tig­ter ste­hen muss, vgl. die Er­läu­te­run­gen zum Pat­Ver­fü-For­mu­lar). Auch die ein­ge­rück­ten zur even­tu­el­len Aus­nah­me vor­ge­se­he­nen Fel­der „Maß­nah­men nach §1904 Abs. 1 Satz 1 BGB aus­drück­lich er­fasst“und „Maß­nah­men nach §1906 Abs. 1 und 4 BGB aus­drück­lich er­fasst“ sind an­zu­kreu­zen, die­se Pa­ra­gra­phen re­geln die Zwangs­be­hand­lung und die Zwangs­ein­wei­sung (vgl. „Zwang nach Be­treu­ungs­recht“).
  2. Dar­un­ter ste­hen im Ein­ga­be­for­mu­lar un­ter „Ur­kun­de ent­hält An­ord­nun­gen und Wün­sche:“ zwei Mög­lich­kei­ten zum An­kreu­zen. Hier muss auf je­den Fall nur die zwei­te, al­so „hin­sicht­lich Art und Um­fang me­di­zi­ni­scher Ver­sor­gung (Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung)“, ge­wählt wer­den, denn bei der Pat­Ver­fü han­delt es sich um ei­ne Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung mit in­te­grier­ter Vor­sor­ge­voll­macht. Auf kei­nen Fall darf im ers­ten Feld bei „für den Fall, dass das Be­treu­ungs­ge­richt ei­nen Be­treu­er be­stellt (Be­treu­ungs­ver­fü­gung)“ein Kreuz ge­macht wer­den. Bei ei­ner so­ge­nann­ten „Be­treu­ungs­ver­fü­gung“ wählt man sich nur sei­nen Vor­mund oder gar Zwangs­be­treu­er für den Fall ei­ner Ent­mün­di­gung selbst und auch die­ser kann mit der Be­stel­lung ei­nes dem Ge­richt hö­ri­gen An­walts vom Ge­richt noch kalt­ge­stellt wer­den, wenn der selbst ge­wähl­te „Be­treu­er“ nicht im Sin­ne des Ge­rich­tes han­deln soll­te.
  3. Ent­spre­chend bei der Ein­tra­gung Ih­rer Be­voll­mäch­tig­ten in den fol­gen­den Ab­schnit­ten un­ter „Bevollmächtigter/Vorgeschlagener Be­treu­er“ bei „Da­ten des:“un­be­dingt „Be­voll­mäch­tig­ten“ wäh­len. Macht man da­ge­gen ein Kreuz im Feld „Vor­ge­schla­ge­nen Be­treu­ers“kann das Ge­richt dies als ei­ne „Be­treu­ungs­ver­fü­gung“ aus­le­gen und die Ent­mün­di­gung mit der ge­nann­ten Per­son als Vor­mund ein­lei­ten.

Wenn Sie schon frü­her ei­ne Vor­sor­ge­voll­macht ge­macht hat­ten und die da­ma­li­gen Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten be­reits bei der Bun­des­no­tar­kam­mer re­gis­triert wor­den sind und auch für die Pat­Ver­fü wei­ter fun­gie­ren sol­len, dann brau­chen sie nicht neu re­gis­triert zu wer­den.

Für fol­gen­de Zwe­cke ist der Gang zu eine/r No­ta­rIn sinn­voll bzw. not­wen­dig:

  • Ei­ne no­ta­ri­el­le Be­glau­bi­gung der Un­ter­schrift ist nicht sinn­voll, da die Kos­ten da­für ge­spart wer­den kön­nen, in­dem man sei­ne Un­ter­schrift kos­ten­los von der ört­li­chen Be­treu­ungs­be­hör­de be­glau­bi­gen lässt.
  • Ei­ne no­ta­ri­el­le Be­ur­kun­dung (das ist nicht nur ei­ne Un­ter­schrifts­be­glau­bi­gung) ist al­ler­dings not­wen­dig, wenn Haus- und Grund­stücks­ge­schäf­te von Be­voll­mäch­tig­ten ge­tä­tigt wer­den kön­nen sol­len.
  • Wenn je­mand nicht le­sen und schrei­ben kann, ist ei­ne no­ta­ri­el­le Be­ur­kun­dung eben­falls not­wen­dig. (Bit­te die­se Men­schen münd­lich dar­auf hin­wei­sen, da sie dies hier ja auch nicht selbst le­sen kön­nen). Der No­tar liest bei ei­ner Be­ur­kun­dung die Pat­Ver­fü vor und dann kann kein Arzt oder Rich­ter mehr be­haup­ten, die Pat­Ver­fü sei des­halb un­wirk­sam, weil man den In­halt nicht le­sen bzw. vor­le­sen kön­ne und es des­halb kei­nen Be­weis gä­be, dass bei Un­ter­zeich­nung ver­stan­den wur­de, was da un­ter­zeich­net wird.
  • Die Be­ur­kun­dung kann sinn­voll sein, wenn zu­sätz­lich zu ei­nem ärzt­li­chen At­test über Ge­schäfts­fä­hig­keit oder er­satz­wei­se für die­ses At­test, weil man kei­nen Arzt da­für ge­fun­den hat, ein Be­weis für Ge­schäfts­fä­hig­keit da­mit do­ku­men­tiert wer­den soll.

Der No­tar ist nur bei ei­ner Be­ur­kun­dung ver­pflich­tet, die Ge­schäfts­fä­hig­keit fest­zu­stel­len, nicht aber bei ei­ner Un­ter­schrifts­be­glau­bi­gung. Bei ei­ner Be­ur­kun­dung soll­te ein No­tar au­ßer­dem die Re­gis­trie­rung über­neh­men.[76]
Ei­ne Hil­fe, um eine/n No­ta­rIn für ei­ne Be­ur­kung der Pat­ver­fü zu fin­den, bie­tet die­se Um­fra­ge bei No­ta­ren.

 

An­walts­voll­macht zur Ver­tei­di­gung im even­tu­el­len Pro­zess: Wenn Sie dar­über hin­aus bei ei­nem Fach­an­walt Ih­res Ver­trau­ens ei­ne Voll­macht un­ter­schrie­ben und hin­ter­legt ha­ben, die diese/r so­fort zu ih­rer Ver­tei­di­gung ein­set­zen kann, wird die Pat­Ver­fü „was­ser­dicht“. Der Staat kann dann nicht mehr er­folg­reich Ih­re Grund­rech­te ne­gie­ren, wie es oh­ne die­sen Schutz nur all­zu häu­fig pas­siert.

 

Ak­tua­li­sie­rung der Pat­Ver­fü: Ei­ne Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung ist un­be­grenzt gül­tig, so lan­ge sie nicht wi­der­ru­fen wird. Da­her braucht sie nicht durch ei­ne neue Un­ter­schrift mit neu­em Da­tum be­stä­tigt zu wer­den. Die Bun­des­no­tar­kam­mer rät so­gar aus­drück­lich da­von ab: „Un­ter­bleibt nur ein­mal die er­neu­te Be­stä­ti­gung, pro­vo­ziert die bis­he­ri­ge Übung ei­nen sich nun­mehr auf­drän­gen­den Um­kehr­schluss und nährt da­mit Zwei­fel an der Fort­gel­tung der Ver­fü­gung. Da­durch wird die Wir­kung al­ler her­vor­ge­hen­den Be­stä­ti­gungs­ver­mer­ke zu­nich­te ge­macht.“ [77] Wenn der In­halt der Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung ver­än­dert wird, emp­fiehlt es sich hin­ge­gen, die Pat­Ver­fü mit ei­nem „Än­de­run­gen hin­zu­ge­fügt am“ samt Da­tum und Un­ter­schrift zu ver­se­hen.


[74] Zu den Ein­tra­gungs­ge­büh­ren sie­he:  www.vorsorgeregister.de/ZVR-Zentrales-Vorsorgeregister/Kosten/index.php

[75] Die fol­gen­den Hin­wei­se fin­den Sie mit an­schau­li­cher Be­bil­de­rung, wel­che in die­ser Bro­schü­re aus Platz­man­gel aus­ge­las­sen wur­de, auf der Pat­Ver­fü-Home­page un­ter: www.PatVerfü.de/registrieren

[76] Da für No­ta­rIn­nen die Ein­tra­gungs­kos­ten nied­ri­ger sind, wird Ih­nen in dem Fall eben­falls ent­spre­chend we­ni­ger für die Re­gis­trie­rung be­rech­net. Sie­he: www.vorsorgeregister.de/ZVR-Zentrales-Vorsorgeregister/Kosten/index.php