Freiheit statt Zwang: Weltpremiere des PatVerfü-Kinospots mit Nina Hagen

(Der Spot auf YouTube: http://youtu.be/0VUsRUHC0Pw)

Pres­se­mit­tei­lung vom 7. Fe­bruar 2012

Das Kino Mo­vie­mento am Kott­bus­ser Damm in Ber­lin ist rap­pel­voll. Mehr als 200 Men­schen sind zur Welt­pre­miere des PatVerfü-Kinospots gekommen, zu der der Lan­des­ver­band Psychiatrie-Erfahrener Berlin-Brandenburg e.V. am Diens­tag­abend (31.01.2012) ein­ge­la­den hatte. Un­ter den Ki­no­be­su­chern ist wie an­ge­kün­digt ein in­ter­na­tio­nal be­kann­ter Star: Um­ringt von Ka­me­ras war­tet auch Nina Ha­gen ge­spannt dar­auf, den PatVerfü-Spot, in dem sie selbst mit­ge­wirkt hat, zum ers­ten Mal auf der gro­ßen Lein­wand zu se­hen.

Nina Ha­gen über­rascht das Pu­bli­kum mit ei­ner Lo­cken­pracht ge­krönt von ei­ner knall­ro­ten Lack­mütze, auf der die Bot­schaft der Pat­Verfü zu le­sen ist:

Geis­tes­krank? Ihre ei­gene Ent­schei­dung!

Da­mit macht die Sän­ge­rin und Schau­spie­le­rin schon auf den ers­ten Blick deut­lich, um was es hier geht: um das Men­schen­recht auf Selbst­be­stim­mung. Über 200.000 Bun­des­bür­ger wer­den jähr­lich auf­grund will­kür­li­cher psych­ia­tri­scher „Dia­gno­sen“ zwangs­weise in ei­ner Psych­ia­trie ein­ge­sperrt und aus ver­meint­lich „the­ra­peu­ti­schen“ Grün­den zwangs­be­han­delt. Des­wei­te­ren sind zur­zeit in Deutsch­land über 1,2 Mio. Men­schen durch ge­richt­lich an­ge­ord­nete „Be­treu­ung“ ent­mün­digt und ih­rer Selbst­be­stim­mungs­rechte be­raubt. Ob­wohl diese schwe­ren Ver­let­zun­gen von Men­schen­recht und -würde ent­spre­chend der UN-Behindertenrechtskonvention ein Ver­bre­chen sind, nimmt die Zahl der ge­walt­sa­men Überg­riffe im­mer noch zu.

Die Würde des Men­schen ist un­an­tast­bar? Jetzt ja: Mit der Pat­Verfü!

Seit 62 Jah­ren gilt das Grund­ge­setz, aber erst im letz­ten Jahr hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt er­kannt, dass die von den Be­trof­fe­nen fol­ter­ar­tig er­lebte Zwangs­be­hand­lung in der Psych­ia­trie mit den Grund­rech­ten – die ja an sich Men­schen­rechte sind – un­ver­ein­bar ist.“ sagt René Tal­bot vom Lan­des­ver­band Psych­ia­trie Er­fah­re­ner Berlin-Brandenburg e.V., zu Be­ginn sei­ner Ein­füh­rungs­rede, in der er den Ki­no­be­su­chern die Ge­schichte der schlauen Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung Pat­Verfü er­klärt.

Die Pat­Verfü nutzt die durch das 2009 in Kraft ge­tre­tene Pa­ti­en­ten­ver­fü­gungs­ge­setz aus­drück­lich vor­ge­se­hene Mög­lich­keit, me­di­zi­ni­sche Un­ter­su­chun­gen vorab un­ter­sa­gen zu kön­nen. Durch die Ver­hin­de­rung un­er­wünsch­ter psych­ia­tri­scher Dia­gno­sen wird das Ein­falls­tor für die psych­ia­tri­sche Ent­rech­tung und Ent­mün­di­gung, Ent­wür­di­gung und Miss­hand­lung rechts­wirk­sam ver­schlos­sen.

Von die­ser welt­weit re­vo­lu­tio­när zu nen­nen­den Mög­lich­keit, sich mit der kos­ten­lo­sen, ein­blätt­ri­gen Wil­lens­er­klä­rung Pat­Verfü vor Frei­heits­be­rau­bung, Kör­per­ver­let­zung und Fol­ter durch die Zwangs­psych­ia­trie schüt­zen zu kön­nen, wis­sen noch We­nige. Ge­nau des­halb star­tet mit der Erst­auf­füh­rung des PatVerfü-Kinospots eine breit an­ge­legte Kam­pa­gne, die die Bürger/innen über ihre Rechte in­for­mie­ren soll.

Licht aus, Aufklärungs-Spot ab!

Span­nung, Schock, Er­leich­te­rung - der knapp zwei­mi­nü­tige Social-Spot ver­setzt das Pre­mie­ren­pu­bli­kum spür­bar in ein Wech­sel­bad der Ge­fühle. Als das im Film un­be­küm­mert nackt auf der Straße tan­zende Pär­chen ge­walt­sam ab­ge­führt und psych­ia­trisch zwangs­be­han­delt wird, macht sich un­ter den Zu­schau­ern Em­pö­rung breit. Doch dann wird der Film plötz­lich zu­rück­ge­spult und be­kommt dankt der Pat­Verfü ein Happy-End: Mit den Wor­ten „das nächste Mal zieht ihr euch aber ei­nen Schlüp­per an“, zie­hen die Po­li­zis­ten wie­der von dan­nen, was im Saal für spon­ta­nen Ju­bel und Bei­fall sorgt. Den be­kom­men an­schlie­ßend auch die eben­falls an­we­sen­den Schau­spie­ler und die Crew von AS-Filme, die den Social-Spot mit der Un­ter­stüt­zung von Ak­tion Mensch im Auf­trag des Lan­des­ver­ban­des Psych­ia­trie Er­fah­re­ner Berlin-Brandenburg e.V. rea­li­siert hat.

Wäh­rend alle Be­tei­lig­ten ei­nen Blu­men­strauß er­hal­ten, greift Nina Ha­gen zur Gi­tarre: „Wir wolln es nicht ver­schwei­gen in die­ser Schwei­ge­zeit. Das Grün bricht aus den Zwei­gen, wir wolln das al­len zei­gen, dann wis­sen sie Be­scheid.“ Mit dem Song „Er­mu­ti­gung“ von Wolf Bier­mann, der auch auf ih­rem ak­tu­el­len Al­bum Volks­beat zu hö­ren ist, hat sie die pas­sende Mu­sik für den Abend im Ge­päck.

Nina Ha­gen ist Schirm­frau der Pat­Verfü

Nina Ha­gen, die nicht nur als Dar­stel­le­rin in dem Ki­no­spot Zeu­gin von schwe­ren Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen wird, son­dern auch pri­vat mit Men­schen be­freun­det ist, die „von der Psych­ia­trie ZWANGS­miss­braucht“ wur­den, ist es „ein Her­zens­an­lie­gen, dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es jetzt ein neues GESETZ gibt, und dass wir Men­schen uns mit der Pat­Verfü vor den Überg­rif­fen der Psycho-Industrie schüt­zen kön­nen!“ Mit der fei­er­li­chen Über­rei­chung ei­ner XXL-Urkunde, wird Nina Ha­gen vor ver­sam­mel­tem Pre­mie­ren­pu­bli­kum of­fi­zi­ell zur Schirm­frau der Pat­Verfü. Sie be­dankt sich mit ei­nem Song und ge­steht: „Ich hatte Gän­se­haut, als ich den Spot ge­se­hen habe, und im­mer und im­mer wie­der, wenn ich ihn sehe.“. Weil dop­pelt so viele Be­su­cher ge­kom­men sind, wie in den Ki­no­saal pas­sen, wird der Spot für alle, die drau­ßen ver­harrt ha­ben, kur­zer­hand noch ein­mal ge­zeigt. Auch die Pre­miere auf der neu­ge­stal­te­ten Web­site und auf YouTube wird we­nig spä­ter ver­kün­det und dort kön­nen sich alle den PatVerfü-Spot, der am 5. Fe­bruar im Bo­chu­mer Me­tro­po­lis ei­nen zwei­ten Auf­takt fei­erte und nun in über 50 Ki­nos an­ge­lau­fen ist, so oft an­schauen, wie sie möch­ten.

Ge­mein­sam für eine ge­rech­tere Welt:
So­li­da­ri­täts­er­klä­rung vom Con­ter­gan­netz­werk

Uns vom Con­ter­gan­netz­werk Deutsch­land e.V. ist es ein Her­zens­an­lie­gen und eine große Freude, hier mit da­bei zu sein...Wir un­ter­stüt­zen das tolle Pro­jekt aus vol­lem Her­zen – denn in eine sol­che men­schen­un­wür­dige Lage - ein­fach zwangs­be­treut oder in eine Psych­ia­trie weg­ge­sperrt zu wer­den, kann man schnel­ler kom­men als man denkt. Ge­rade auch be­hin­derte Men­schen! Von da­her gilt für uns: ge­mein­sam für eine ein Stück ge­rech­tere Welt... mit un­se­rer Nina!“ sagte Tina Floh bei der Pre­miere des PatVerfü-Kinospots. Das Contergan-Netzwerk Deutsch­land e.V., des­sen Eh­ren­mit­glied Nina Ha­gen ist, be­müht sich noch im­mer um Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen an Op­fer des wohl größ­ten Me­di­ka­men­ten­skan­dals der BRD.

Übergabe der Urkunde an Nina Hagen

Werner-Fuß-Zentrum
im Haus der De­mo­kra­tie und Men­schen­rechte
Greifs­wal­der Str. 4, 10405 Ber­lin
www.psychiatrie-erfahrene.de