PatVerfü-Handbuch

Das PatVerfü-Handbuch enthält ausführliche Informationen rund um das Thema PatVerfü. Sie können das Handbuch online lesen, als EBook herunterladen oder die gedruckte Broschüre bestellen. Oder lesen Sie die Einführung ins Thema.

Das PatVerfü-Handbuch ent­hält aus­führ­li­che In­for­ma­tio­nen rund um das Thema Pat­Verfü. Die The­men rei­chen von den ge­setz­li­chen Grund­la­gen für psych­ia­tri­schen Zwang bis hin zu prak­ti­schen Tipps, um sich mit der Pat­Verfü vor Zwangs­maß­nahmen zu schützen.

Die ge­setz­li­chen Grund­la­gen der Pat­Verfü im Bür­ger­li­chen Ge­setz­buch (BGB)

Das neue Ge­setz, mit dem die Pa­ra­gra­phen im Be­treu­ungs­recht rund um die Re­ge­lung von Pa­ti­en­ten­ver­fü­gun­gen auf­grund der Ent­schei­dung des Bun­des­ta­ges vom 18.6.2009 ge­än­dert wor­den sind, ist im Bun­des­ge­setz­blatt, Jahr­gang 2009, Teil I Nr. 48, Seite 2286-2287 ver­öf­fent­licht und heißt: „3. Ge­setz zur Ände­rung des Be­treu­ungs­rechts vom 29.07.2009“. Die ge­setz­li­chen Grund­la­gen, auf de­nen die Pat­Verfü ba­siert, sind die fol­gen­den Pa­ra­gra­phen des Bür­ger­li­chen Ge­setz­buchs (BGB), Ab­schnitt Be­treu­ungs­recht:

§ 1901a Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung

(1) Hat ein ein­wil­li­gungs­fä­hi­ger Voll­jäh­ri­ger für den Fall sei­ner Ein­wil­li­gungs­un­fä­hig­keit schrift­lich fest­ge­legt, ob er in be­stimmte, zum Zeit­punkt der Fest­le­gung noch nicht un­mit­tel­bar be­vor­ste­hende Un­ter­su­chun­gen sei­nes Ge­sund­heits­zu­stan­des, Heil­be­hand­lun­gen oder ärzt­li­che Ein­griffe ein­wil­ligt oder sie un­ter­sagt (Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung), prüft der Be­treuer, ob diese Fest­le­gun­gen auf die ak­tu­elle Lebens- und Be­hand­lungs­si­tua­tion zu­tref­fen. Ist dies der Fall, hat der Be­treuer dem Wil­len des Be­treu­ten Aus­druck und Gel­tung zu ver­schaf­fen. Eine Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung kann je­der­zeit form­los wi­der­ru­fen wer­den.

(2) Liegt keine Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung vor oder tref­fen die Fest­le­gun­gen ei­ner Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung nicht auf die ak­tu­elle Lebens- und Be­hand­lungs­si­tua­tion zu, hat der Be­treuer die Be­hand­lungs­wün­sche oder den mut­maß­li­chen Wil­len des Be­treu­ten fest­zu­stel­len und auf die­ser Grund­lage zu ent­schei­den, ob er in eine ärzt­li­che Maß­nahme nach Ab­satz 1 ein­wil­ligt oder sie un­ter­sagt. Der mut­maß­li­che Wille ist auf­grund kon­kre­ter An­halts­punkte zu er­mit­teln. Zu be­rück­sich­ti­gen sind ins­be­son­dere frü­here münd­li­che oder schrift­li­che Äuße­run­gen, ethi­sche oder re­li­giöse Über­zeu­gun­gen und sons­tige per­sön­li­che Wert­vor­stel­lun­gen des Be­treu­ten.

(3) Die Ab­sätze 1 und 2 gel­ten un­ab­hän­gig von Art und Sta­dium ei­ner Er­kran­kung des Be­treu­ten.

(4) Nie­mand kann zur Er­rich­tung ei­ner Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung ver­pflich­tet wer­den. Die Er­rich­tung oder Vor­lage ei­ner Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung darf nicht zur Be­din­gung ei­nes Ver­trags­schlus­ses ge­macht wer­den.

(5) Die Ab­sätze 1 bis 3 gel­ten für Be­voll­mäch­tigte ent­spre­chend.

§ 1901b Ge­spräch zur Fest­stel­lung des Pa­ti­en­ten­wil­lens

(1) Der be­han­delnde Arzt prüft, wel­che ärzt­li­che Maß­nahme im Hin­blick auf den Ge­samt­zu­stand und die Pro­gnose des Pa­ti­en­ten in­di­ziert ist. Er und der Be­treuer er­ör­tern diese Maß­nahme un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Pa­ti­en­ten­wil­lens als Grund­lage für die nach § 1901a zu tref­fende Ent­schei­dung.

(2) Bei der Fest­stel­lung des Pa­ti­en­ten­wil­lens nach § 1901a Ab­satz 1 oder der Be­hand­lungs­wün­sche oder des mut­maß­li­chen Wil­lens nach § 1901a Ab­satz 2 soll na­hen An­ge­hö­ri­gen und sons­ti­gen Ver­trau­ens­per­so­nen des Be­treu­ten Ge­le­gen­heit zur Äuße­rung ge­ge­ben wer­den, so­fern dies ohne er­heb­li­che Ver­zö­ge­rung mög­lich ist.

(3) Die Ab­sätze 1 und 2 gel­ten für Be­voll­mäch­tigte ent­spre­chend.

§ 1901c Schrift­li­che Be­treu­ungs­wün­sche, Vor­sor­ge­voll­macht

Wer ein Schrift­stück be­sitzt, in dem je­mand für den Fall sei­ner Be­treu­ung Vor­schläge zur Aus­wahl des Be­treu­ers oder Wün­sche zur Wahr­neh­mung der Be­treu­ung ge­äu­ßert hat, hat es un­ver­züg­lich an das Vor­mund­schafts­ge­richt ab­zu­lie­fern, nach­dem er von der Ein­lei­tung ei­nes Ver­fah­rens über die Be­stel­lung ei­nes Be­treu­ers Kennt­nis er­langt hat. Ebenso hat der Be­sit­zer das Vor­mund­schafts­ge­richt über Schrift­stü­cke, in de­nen der Be­trof­fene eine an­dere Per­son mit der Wahr­neh­mung sei­ner An­ge­le­gen­hei­ten be­voll­mäch­tigt hat, zu un­ter­rich­ten. Das Vor­mund­schafts­ge­richt kann die Vor­lage ei­ner Ab­schrift ver­lan­gen.

§ 1904 Ge­neh­mi­gung des Vor­mund­schafts­ge­richts bei ärzt­li­chen Maß­nah­men

(1) Die Ein­wil­li­gung des Be­treu­ers in eine Un­ter­su­chung des Ge­sund­heits­zu­stands, eine Heil­be­hand­lung oder ei­nen ärzt­li­chen Ein­griff be­darf der Ge­neh­mi­gung des Vor­mund­schafts­ge­richts, wenn die be­grün­dete Ge­fahr be­steht, dass der Be­treute auf Grund der Maß­nahme stirbt oder ei­nen schwe­ren und län­ger dau­ern­den ge­sund­heit­li­chen Scha­den er­lei­det. Ohne die Ge­neh­mi­gung darf die Maß­nahme nur durch­ge­führt wer­den, wenn mit dem Auf­schub Ge­fahr ver­bun­den ist.

(2) Die Nicht­ein­wil­li­gung oder der Wi­der­ruf der Ein­wil­li­gung des Be­treu­ers in eine Un­ter­su­chung des Ge­sund­heits­zu­stands, eine Heil­be­hand­lung oder ei­nen ärzt­li­chen Ein­griff be­darf der Ge­neh­mi­gung des Vor­mund­schafts­ge­richts, wenn die Maß­nahme me­di­zi­nisch an­ge­zeigt ist und die be­grün­dete Ge­fahr be­steht, dass der Be­treute auf Grund des Un­ter­blei­bens oder des Ab­bruchs der Maß­nahme stirbt oder ei­nen schwe­ren und län­ger dau­ern­den ge­sund­heit­li­chen Scha­den er­lei­det.

(3) Die Ge­neh­mi­gung nach den Ab­sät­zen 1 und 2 ist zu er­tei­len, wenn die Ein­wil­li­gung, die Nicht­ein­wil­li­gung oder der Wi­der­ruf der Ein­wil­li­gung dem Wil­len des Be­treu­ten ent­spricht.

(4) Eine Ge­neh­mi­gung nach Ab­satz 1 und 2 ist nicht er­for­der­lich, wenn zwi­schen Be­treuer und be­han­deln­dem Arzt Ein­ver­neh­men dar­über be­steht, dass die Er­tei­lung, die Nich­ter­tei­lung oder der Wi­der­ruf der Ein­wil­li­gung dem nach § 1901a fest­ge­stell­ten Wil­len des Be­treu­ten ent­spricht.

(5) Die Ab­sätze 1 bis 4 gel­ten auch für ei­nen Be­voll­mäch­tig­ten. Er kann in eine der in Ab­satz 1 Satz 1 oder Ab­satz 2 ge­nann­ten Maß­nah­men nur ein­wil­li­gen, nicht ein­wil­li­gen oder die Ein­wil­li­gung wi­der­ru­fen, wenn die Voll­macht diese Maß­nah­men aus­drück­lich um­fasst und schrift­lich er­teilt ist.