PatVerfü-Handbuch

Das PatVerfü-Handbuch enthält ausführliche Informationen rund um das Thema PatVerfü. Sie können das Handbuch online lesen, als EBook herunterladen oder die gedruckte Broschüre bestellen. Oder lesen Sie die Einführung ins Thema.

Das PatVerfü-Handbuch ent­hält aus­führ­li­che In­for­ma­tio­nen rund um das Thema Pat­Verfü. Die The­men rei­chen von den ge­setz­li­chen Grund­la­gen für psych­ia­tri­schen Zwang bis hin zu prak­ti­schen Tipps, um sich mit der Pat­Verfü vor Zwangs­maß­nahmen zu schützen.

Pat­Verfü im Aus­land und für Men­schen mit Nicht-BRD-Pass

De­fi­ni­tion: In die­sem Text wird das Wort „Aus­län­der“ so ver­wen­det, dass da­mit alle Men­schen ge­meint sind, die sich in der BRD auf­hal­ten und kei­nen BRD-Pass ha­ben. Dies ist keine all­ge­meine De­fi­ni­tion, son­dern aus­schließ­lich eine, um be­griff­li­che Un­klar­hei­ten in die­sem Text zu ver­mei­den.

Durch das „Übe­rein­kom­men über den in­ter­na­tio­na­len Schutz von Er­wach­se­nen“[85] wird nach Ra­ti­fi­zie­rung durch die je­wei­li­gen Na­tio­nal­staa­ten von die­sen an­er­kannt, dass in fa­mi­li­en­recht­li­chen Fra­gen, wie es das ganze Be­treu­ungs­recht ist, je­weils das Recht des Staa­tes gel­ten soll, der a) eben­falls ra­ti­fi­ziert hat und b)in des­sen Staat die Per­son, un­ab­hän­gig vom Pass, ih­ren ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt hat, auch wenn diese Per­son sich in ei­nem der an­de­ren Staa­ten auf­hält, der ra­ti­fi­ziert hat. Staa­ten, die bis­her ra­ti­fi­ziert ha­ben: seit 1.1.2009 die BRD, Est­land, Finn­land, Frank­reich, Schott­land, Schweiz (Stand 1.1.2011).[86] Was ist „ge­wöhn­li­cher Auf­ent­halt“? Als Faust­re­gel kann man sa­gen, der Ort wo man sich mehr als ein hal­bes Jahr in­ner­halb ei­nes Jah­res tat­säch­lich auf­hält und wohnt.

Die fol­gen­den Kon­se­quen­zen die­ser ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen sind zwar aus die­sen her­ge­lei­tet, sind aber keine gän­gige ge­richt­li­che Pra­xis, ge­schweige denn eine all­täg­li­che Übung. Wahr­schein­lich wer­den so­gar erst obere Ge­richte auch für un­tere Ge­richte ver­bind­li­che Stan­dards ent­schei­den müs­sen. Für die­sen wahr­schein­lich not­wen­di­gen Weg durch die In­stan­zen soll die­ses Pa­pier Hil­fe­stel­lung ge­ben.

Fall 1) Eine Pat­Verfü ge­schützte Per­son mit ge­wöhn­li­chem Auf­ent­halt in der BRD macht Ur­laub in Est­land, Frank­reich, Finn­land, Schweiz oder Schott­land (EFFSS): Sie ist dort vor der Zwangs­psych­ia­trie ge­schützt – aber sie muss die EFFSS-Justiz da­von je­weils noch über­zeu­gen. Da­bei sind die we­sent­li­chen Hel­fer:

  1. die Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten in Zu­sam­men­ar­beit mit
  2. den je­wei­li­gen BRD Kon­su­la­ten und/oder Bot­schaf­ten und
  3. not­falls dem Aus­wär­ti­gen Amt, Re­fe­rat 507 – In­ter­na­tio­na­ler Rechts­hil­fe­ver­kehr in Zivil-, Handels- und Ar­beits­sa­chen so­wie
  4. das Bun­des­amt für Jus­tiz, Ade­nau­er­al­lee  99 – 103, 53113 Bonn, Telefon: +49 (0)228 99 410 - 40 Fax: +49 (0)228 99 410 – 5050

Wenn eine Psych­ia­tri­sie­rung dro­hen sollte, je­dem Psych­ia­ter ge­gen­über ei­sern schwei­gen und nur ein Te­le­fo­nat zu ei­nem Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tig­ten ver­lan­gen, so­wie die­sem die Si­tua­tion und die Fax Num­mer der An­stalt mit­tei­len. Der Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tigte muss so­fort die Bot­schaft und/oder das Kon­su­lat der BRD in dem be­tref­fen­den Land an­ru­fen, de­ren Fax-Nummer er­fra­gen und ein Fax mit der Pat­Verfü und ei­ner An­wei­sung, den Voll­macht­ge­ber so­fort frei­zu­las­sen, avi­sie­ren. Die­ses Fax un­be­dingt auch an das Bun­des­amt für Jus­tiz (siehe oben) sen­den. So­bald diese Faxe an­ge­kom­men sind, sollte der Vor­sor­ge­be­voll­mäch­tigte wie­der bei der Bot­schaft  an­ru­fen und eine zu­stän­dige Per­son her­aus­fin­den, die

  1. kurz­fris­tig eine Über­set­zung der Pat­Verfü und An­wei­sung in die Lan­des­spra­che be­sorgt und
  2. bei­des der An­stalt zu­faxt.

So­dann sollte diese der Lan­des­spra­che kun­dige Per­son der An­stalt te­le­fo­nisch klar ma­chen, dass in die­sem be­son­de­ren Fall deut­sches Recht ver­bind­lich gilt und die so­for­tige Frei­las­sung ver­lan­gen. Falls dies nicht zu­ge­si­chert wird (oder sich bei Über­prü­fung als Lüge her­aus­stellt) müs­sen in en­ger Ko­ope­ra­tion mit dem je­wei­li­gen BRD Kon­su­lat und/oder der Bot­schaft und not­falls dem Aus­wär­ti­gen Amt in Ber­lin die nächs­ten recht­li­chen Schritte ein­ge­lei­tet wer­den: ei­nen mit den recht­li­chen Fra­gen ver­trau­ten Rechts­an­walt be­auf­tra­gen – ver­mit­telt durch Kon­su­lat bzw. Bot­schaft – und eine even­tu­ell ne­ga­tive ge­richt­li­che Ent­schei­dun­gen an­fech­ten, not­falls durch die In­stan­zen. Wich­tig: im­mer ge­gen­über al­len Psych­ia­tern ei­sern schwei­gen, so dass der An­walt im­mer zu recht sa­gen kann, man habe sich nicht frei­wil­lig dia­gnos­ti­zie­ren las­sen.

Fall 2) Eine Pat­Verfü ge­schützte Per­son mit ge­wöhn­li­chem Auf­ent­halt in der BRD macht Ur­laub au­ßer­halb der BRD, aber nicht in ei­nem EFFSS-Land, son­dern an­derswo: Die Pat­Verfü kann zwar ein Hin­weis für ein ört­li­ches Ge­richt im Aus­land sein, ist aber recht­lich un­ver­bind­lich. Es herrscht die­selbe Will­kür, wie in der BRD vor dem 1.9.2009, dem Da­tum des Wirk­sam­wer­dens des Ge­set­zes zur Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung und da­mit der Pat­Verfü.

Fall 3) Eine Pat­Verfü ge­schützte Per­son hat ih­ren ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt in der BRD, aber kei­nen BRD-Pass, ist also hier Aus­län­de­rIn: Für diese Per­so­nen gel­ten in der BRD die ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen des Be­treu­ungs­rechts, also sind Pat­Verfü und Vor­sor­ge­voll­macht in vol­lem Um­fang rechts­wirk­sam. Die An­wen­dung un­ter­schei­det sich nicht von der von Per­so­nen mit BRD-Pass.

Fall 4) Eine Pat­Verfü ge­schützte Per­son hat ei­nen EFFSS-Pass, macht in der BRD Ur­laub und hat ih­ren ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt nicht in der BRD, son­dern in ei­nem EFFSS- Land: Die Pat­Verfü ist für ein ört­li­ches Ge­richt hier zwar ein Hin­weis, aber recht­lich un­ver­bind­lich. Es herrscht für diese Per­son die­selbe blanke psych­ia­tri­sche Will­kür der EFFSS Län­der, wie in der BRD vor dem 1.9.2009, dem Da­tum des Wirk­sam­wer­den des Ge­set­zes zur Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung.

Fall 5) Ein/e Pat­Verfü geschützte/r Aus­län­de­rIn hat kei­nen EFFSS-Pass, macht in der BRD Ur­laub und hat seinen/ihren ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halt we­der in der BRD noch in EFFSS: Für diese Per­so­nen soll­ten in der BRD die ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen des Be­treu­ungs­rechts gel­ten, also sind Pat­Verfü und Vor­sor­ge­voll­macht in vol­lem Um­fang rechts­wirk­sam. Die An­wen­dung sollte sich so lange nicht von der von Per­so­nen mit ge­wöhn­li­chem Auf­ent­halt in der BRD un­ter­schei­den, wie der Staat des ge­wöhn­li­chen Auf­ent­halts die­ser Per­son das „Übe­rein­kom­men über den in­ter­na­tio­na­len Schutz von Er­wach­se­nen“ noch nicht ra­ti­fi­ziert hat.